16 Prozent auf alles – Ein gutes Versuchsmodell?
Geschrieben am: 2. Juli 2010 in Allgemein
Schlagworte dieses Artikels: 16%, 19%, Anhebung, Deutschland, Europa, Mehrwertsteuer, Senkung, Steuersatz, Vergleich
Die Mehrwertsteuer steigt seit Jahren in Deutschland unzyklisch. Von 15 inzwischen auf 19 Prozent und einige Politiker fordern sogar in jeder Debatte, dass wir uns an andere Länder angleichen müssten. Und tatsächlich liegen wir mit unserem Satz sogar noch im unteren Drittel. Nicht wenige sind aber auch der Meinung, man könne die Mehrwertsteuer auch verringern, ohne dass der Staat wesentlich Schaden nimmt. Sogar von Mehreinnahmen ist die Rede. Wir haben von einem gelesen, der ein Versuchsmodell errechnet hat.
Mit 16 Prozent Mehrwertsteuer ein Plus in die Steuerkassen spülen
Deutschland quält seine Bürger mit Steuern. Das ist jedenfalls immernoch die Meinung von über 60% der Bevölkerung. 19% seien entschieden zu hoch. Doch eigentlich zahlen wir beim Einkauf im supermarkt gar nicht 19% sondern auf viele Artikel nur 7% und im Buchladen oder bei vielen anderen Gelegenheiten auch nur den verringerten Steuersatz oder gleich gar keine Mehrwertsteuer. Alles eine Frage der Betrachtungsweise?
Der verringerte Steuersatz für Lebensmittel und viele Waren des täglichen Bedarfs (Zeitschriften, Bücher) wurde eingeführt, um auch Einkommensschwächeren die Grundversorgung sicherzustellen. Netterweise profitieren aber eben (oder vielleicht gerade auch deswegen) eigentlich die Besserverdiener. Schließlich müssen diese auch essen und um besserverdienend zu sein auch viele Bücher und Zeitschriften lesen, die sich die Geringverdiener eigentlich nicht leisten können oder eben aus diesem Grunde gar nicht leisten. Das Mehrwertsteuersystem ist sehr löchrig geworden. Kaufen Sie in einer Gemäldegalerie ein originales altes Bild ist es Kunst. Sie bezahlen nur 7% MWSt. Kauft die schöne Studentin für ein Referat einen Kunstdruck im Möbelhaus ist es keine Kunst, auch wenn der Name es vermuten lässt, sondern 19% besteuerte Neuware. Übrigens zahlen Sie für Kaviar und Trüffel auch nur 7% Mehrwertsteuer. Ich kenne allerdings keine HartzIV-Empfänger, die sich darüber freuen würden.
Ist der Mehrwertsteuersatz in Deutschland aber wirklich zu hoch? Schauen wir uns Europa einmal an.

Wir sind doch gar nicht so teuer. Uns geht es doch verhältnismäßig gut, könnte man meinen, doch allerdings gibt es in Deutschland eine Vielzahl von einzelnen Steuerpunkten, die es so in ganz Europa nicht gibt.
Professor Dr. Rolf Peffekoven (Foto: insm) ist seit vielen Jahren Inhaber eines Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre und Finanzwissenschaften an der Universität Mainz. Zudem ist er auch Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Bundesministeriums für Finanzen.
Er vertritt die Auffassung, dass der Ökonomie in Deutschland ein einheitlicher Mehrwertsteuersatz mehr hilft und mit der Anhebung der reduzierten oder gar komplett befreiten Produkte und Dienstleistungen ein einheitlicher Mehrwertsteuersatz geschaffen werden könnte, der von aktuell 19 auf 16% reduziert werden kann. Trotzdem kann den Finanzbehörden dann trotzdem schon im ersten Jahr dieser Maßnahme ein Milliardengewinn in die Kassen gespült werden.
Ein einheitlicher Mehrwertsteuersatz ist in diesen Zeiten fast permanent im Gespräch und zur nächsten Wahl wird er mit Sicherheit ein Thema im Wahlkampf werden. Gerade die soziale Komponente wird polarisieren. Peffekoven empfiehlt einen passgenauen Sozialausgleich durch die Neuberechnung des Existenzminimums und damit einhergehend auch die anpassung der Regelsätze von Hartz IV-Leistungen. Selbst aber auch die Mehrwertsteuerbefreiten Anbieter von Gütern und Leistungen wurden in die Berechnungen einbezogen. Nach Pefferkoven’ Berechnungen könne Deutschland schon im Jahr der Einführung seiner Mehrwertsteuerreform, trotz Mehrkosten durch die Folgen der Umsetzung durch Leistungsanpassungen etc., knapp 10 Mrd. Euro mehr Steuern einnehmen.

Prof. Dr. Peffekoven
Eine Richtungsdebatte könnte es durchaus werden. Bleibt abzuwarten, welche Partei sich für welches Prinzip entscheidet.
In gut zwei Stunden stehe ich jedenfalls wieder mit zwei riesigen Einkaufskörben an der Supermarktkasse. Wenn ich dann meine üblichen 200+X Euro für den Wocheneinkauf bezahlt habe, werde ich mir den Kassenzettel einmal aufheben und durchrechnen, was es im realen Leben brächte, wenn ich nur noch 16% Mehrwertsteuer zahlen müsste. Dafür aber auf alles.
Fortsetzung folgt.
Einen schönen Einkauf wünscht Ihnen auf jeden Fall
//B.G.
Update: Den Praxistest nach dem Wochenendeinkauf finden Sie hier.
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