Bald wieder 6 Millionen Arbeitslose
Geschrieben am: 8. Dezember 2008 in Arbeitsmarkt, Arge & Hartz IV
Schlagworte dieses Artikels: Finanzkrise, Konjuntur, Wirtschaftskrise
Manchmal glauben wir tatsächlich an unsere apokalytischen Prophezeiungs-Fähigkeiten und manchmal haben wir einfach nur ein gesundes Verständins (und Fachwissen) rund um Wirtschaftsprozesse. So wundert es uns auch nicht, dass der Chef-Volkswirt von Goldmann-Sachs eine Arbeitslosenzahl von fast oder um die 6 Millionen für möglich hält. Aber wir haben es ja bereits vermutet und nun kommen auch diejenigen mit Kompetenz damit heraus, von denen man solche Warnungen vielleicht schon vor Monaten hätte erwarten können.
Krisenzeiten könnten Arbeitslosenzahlen verdoppeln
Es ist für uns aber auch nicht verwunderlich, dass sich Experten erst jetzt melden. Man will halt kein Spielverderber sein. Nicht gegenüber der Wirtschaft, nicht gegenüber der Politik und schon gar nicht gegenüber den Menschen. Also sagt man besser nichts. Da wir kein Spiel spielen und es daher niemanden verderben könnten, ist uns das relativ egal und der Besuch dieser Seite ist schließlich auch freiwillig und wer keine schlechten Arbeitsmarktnachrichten lesen will, schaut eben besser woanders.
Der Chefvolkswirt von Goldmann-Sachs vertritt jedenfalls mit uns auch die Ansicht, dass sich die Arbeitslosenzahlen durchaus verdoppeln könnten, wenn das Bruttoinlandsprodukt (BIP) und damit die Konjunktur in den spekulierten Härtefällen einbricht. Wir hatten ähnliches bereits in den Arbeitslosenzahlen für November 2008 vermutet und auch in früheren Beiträgen schon so dargestellt. Es sieht alles nicht mehr ganz so rosig aus und der Motor ist nicht mehr auf Vollgas. Das bekommt auch der Arbeitsmarkt zu spüren.
Deutschlands wichtigster Produktionszweig, die Automobilindustrie greift nach dem Fördersäckchen vom Bund, setzt die Zeitarbeitnehmer vor die Tür, eigene Mitarbeiter auf Kurzarbeit und mtibetroffen sind gleichfalls tausende Unternehmen aus der Zuliefererindustrie, die um Produktion und Arbeitsplätze bangen müssen. Von einigen wissen wir bereits, dass diese schon seit September nicht oder kaum noch produzieren. Hier gehen jetzt massenhaft Arbeitszeitkonten und Überstunden zum Joberhalt drauf. Planung von Urlaub im nächsten Jahr? Da wird es wohl schlecht Brückentage ordentlich zu planen. Gleichzeitig haben einige Unternehmen bereits begonnen, das Weihnachtsgeld komplett zu streichen.
Die Berliner Zeitung zitierte den Chefvolkswirt von Goldmann-Sachs mit den Worten “ Im jetzigen Umfeld kann man gar nichts mehr ausschließen.” Na prima.
Was uns allerdings überrascht hat, ist dass auch der Chefvolkswirt nach staatlichen Eingriff ruft und er forderte auch gleich eine deutliche Senkung der Einkommensteuer, ein staatliches Investitionsprogramm in Bildung und Infrastruktur sowie die Ausgabe von Konsumschecks an die Bevölkerung.
Das hat uns ganz schön umgehauen. Aber auch wenn wir keine Fans von allen Maßnahmen sind, bestellen wir an dieser Stelle gleich mal die Konsumchecks für eine bekannte Elektronikwarenhauskette, einer Autoteilefachmarktkette und ein paar für Lebensmittel. Letztere aber bitte nur für den Notfall falls die anderen schon vergriffen sind. Nein, aber Scherz beiseite. Was “Konsumchecks für die Bevölkerung” bedeuten können und wie dies gesteuert werden könnte, werden wir hier nicht diskutieren. Und auch wenn der Herr Ökonom Deutschland auf eine der schwersten Wirtschaftskrisen zusteuern sieht, ist es doch, so glauben wir, nicht die Zeit für Lebensmittelmarken und Co. (Außerdem ginge das doch bei heutigem Stand der Technik elektronisch. Also wieder eine Quelle für Jobs in der IT-Branche, oder?) Nein wir unken nicht und lästern tun wir auch nicht, aber solche staatlichen Zuwendungen zu verwenden um die Konjunktur ankurbeln halten wir für: Schlichtweg Blödsinn.
Steuersenkungen in der Einkommenssteuer? Hat sich der Herr Volkswirt schon mal die durchschnittsgehälter angesehen? Bei ihm viele das seinem Arbeitgeber noch auf, aber anderswo. Mehr als 60% arbeiten unter Tarif! Das merkt man nichteinmal. Und wer die Mehrwertsteuer senken will um die Kauflaune anzukurbeln lebt ja wohl völlig in der Freien Republik Utopien. Der glaubt auch, dass Menschen deutlich mehr einkaufen, wenn man die Läden nur lang genug aufmacht. Kein Einzelhändler wird seine Preise bei gesunkener Mehrwertsteuer auch entsprechend absenken. Bei Kleinartikeln, beispielsweise im Lebensmittelbereich, werden es dann solch krumme Beträge, die dann wieder hübsch aufgerundet werden können, damit man sie auch bezahlen kann. Also nur eine Kosmetik.
Wie wir schon mehrfach vermutet haben, werden wir es im Quartal 1 und 2 in 2009 erleben, wie es mit den Finanzen weitergeht. Unserer Meinung nach, kommt das dicke Ende noch, aber wir wollen uns ja nicht schon wieder apokalyptischen Äußerungen hingeben.
Quellen: in geringen Auszügen: AP, Berliner Zeitung
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