Berufe und Karrierechancen im Wandel der Zeiten
Geschrieben am: 4. März 2009 in Arbeitsmarkt, Karrieretipps
Schlagworte dieses Artikels: Berufe, Berufsleben, Karrierechancen, Veränderungen
Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass Jobs sich mit der Zeit stark verändern und an sogenanter “Wertigkeit” verlieren. Uns geht es dabei nicht um die Berufe-Erfinden-Strategie der Kammern, sondern um den realen Wandel von einst gut angesehenen Berufen. Wir haben mal nachgeforscht und sind auf erstaunliches gestoßen.
Berufe wandeln sich und verlieren an Status
Heute: Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel
Wir wollen diese kleine Serie mit diesem Beruf beginnen und auch weitere vorstellen.
Wer diesen Beruf einst erlernte, hat einen schönen Job. Unbestritten.
Umgang mit Menschen, Gespräche, Beratung und Kontakt zu Waren aller Art und auch oft dies in Kombination mit Dienstleistungen und Hilfsdienstleisten. Nicht ohne Grund sagen viele Kaufleute von sich:”Ich bin ein Diener ohne zu Dienen”
Doch dieser Beruf wandelte sich besonders in den letzten Jahren sehr stark und verliert zunehmend an Attraktivität und Glanz.
Der Kaufmann/ die Kauffrau im Einzelhandel ist, so war es bislang, eine bessere Verkäuferin / ein besserer Verkäufer. Mit mehr Kompetenz und Fähigkeiten ausgestattet nach dreijähriger Lehrausbildung ausgestattet als ein Verkäufer. Letztere wurden, gleich ob Mann oder Frau meist im Lebensmittelsupermärkten eingesetzt oder kamen an der Kasse zum Einsatz, während der Kaufmann im Einzelhandel mehr im beratenden Verkauf und im dazugehörigen Verwaltungsbereich tätig war. Hier waren die Stärken des Kaufmannes im Einzelhandel und diese konnten noch vor einigen Jahren auf dem Weg zur Karriere ausgespielt werden. Karriere im Handel durch die internen Betriebsausbildungen als Substitut, über den Status des Erstverkäufers oder ähnliche Bezeichnungen bis hin zum Abteilungsleiter / Bereichsleiter etwas übergreifender und, so denn das Schicksal und die Vorgesetzten es wollten auch zum Filialleiter. Auch gab es für Kaufleute im Einzelhandel sofort die Möglichkeit, in die Selbstständigkeit zu starten.
Die Chancen, einen Filialleiterposten zu erreichen waren gut, und auch so mancher Bezirksleiter bei Handelsketten kam genau aus diesem Bereich. Und es konnte noch viel höher gehen, während der Verkäufer mit seiner zweijährigen Ausbildung bestenfalls Teamleiter werden konnte und nur durch umfangreiche Zusatzqualifikationen höhere Ziele anstreben konnte. Die meisten Verkäufer blieben an den Kassen sitzen.
Nunmehr sieht der Beruf deutlich anders aus.
Die Karrierechancen sind sehr stark eingeschränkt. Substitut oder Filialleiter einer Lebensmittel-Supermarktkette wird man kaum noch undim Einzelhandel sieht es nicht besser aus. Als Verkäufer kommt man inzwischen deutlich weiter und bekommt die Jobs im beratenden Verkauf deutlich eher als ein Kaufmann im Einzelhandel. Ursache sind hier auch die unterschiedlichen Lohnstrukturen zwischen beiden Berufen.
Karrieren als Filial- oder Bezirksleiter mit der Ausbildung? Fast unmöglich und nur noch über gute Kontakte oder durch Zufall realisierbar. Hier geben einschlägige Stellenbörsen schon seit 5 bis 8 Jahren den Bewerbern mit BWL-Studium oder ähnlichem Bildungsstand den deutlichen Vorzug. Nicht studiert, fällt man schnell durch das Kandidatensieb, auch wenn man es könnte.
Seit einigen Jahren wird es den Kaufleuten im Einzelhandel noch durch eine andere Spezies schwer gemacht. Der neu erfundene Beruf des Verkaufshelfers für (wie soll ich das jetzt ausdrücken?) Menschen, die die Verkäufer nicht werden konnten. Diese sollen Regale auffüllen, für die Sauberkeit sorgen und im Handel Hilfstätigkeiten durchführen. Natürlich bei entsprechender Lohnstruktur. Ein gefundenes Fressen für Inhaber von Einzelhandelsgeschäften. Für zwei Verkaufshelfer könnte man einen Kaufmann im Einzelhandel einstellen, was im Umkehrschluss bedeutet, dass der Einzelhändler lieber den Verkaufshelfern die Produkte und den Verkauf derselben erklärt als einem Kaufmann.
Schlechte Karten für Kaufleute sollte man meinen, doch es gibt auch noch Ausnahmen. Hier hilft aber nur die stetige Weiterbildung in Produkt- und Wirtschaftskunde, Ausbilder-Schein und anderen, fachspezifischen Lehrgängen um auf dem laufenden zu bleiben. Eine große Elektronikfachmarktkette bildet Bewerber jetzt sogar vor Einstellung erst als “Fachberater für Neue Medien und weiße Ware” aus.
Haben Sie auch einen wandelhaften Beruf? Schreiben Sie uns. Nutzen Sie gerne das Kontaktformular.
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