Bewerbungs-ABC – S wie sprachlicher Stil
Geschrieben am: 31. Oktober 2008 in Bewerbungs-ABC
Schlagworte dieses Artikels: Bewerbungs-ABC
Während wir hier in unseren Artikeln relativ frei sprechen und schreiben, kommt es in der Bewerbung darauf an, den richtigen Stil zu finden. Es unterscheiden sich die Bewerber auf eine Stelle immer in der Wortwahl und damit auch über den Erfolg in der Bewerbung. Die Nerven des Lesers sind oft stark strapaziert, wenn ein Bewerber mit Top-Lebenslauf im Bewerbungsanschreiben die “falschen” Wörter benutzt. Hier machen Sie es dem Entscheider nicht einfach und bei der Fülle der Bewerbungen auf eine Stelle gelangen Sie trotz guter Qualifikation schnell auf den Stapel der Rücksendungen. Wie Sie hier verbessern können, lesen Sie in diesem Beitrag.
Der Sprachstil – Brücke zum Erfolg in der Bewerbung
Schon in der Schule wurde uns beigebracht, in einem Aufsatz (z.B: Mein schönstes Ferienerlebnis) nicht jeden Satz mit “Ich …” zu beginnen. Wie schwierig das ist, beweisen hunderte gelesene Bewerbungen. Ich habe, Ich wurde, Ich machte, usw. usw. Deshalb als Grundregel für Sie:
- (1) Beginnen Sie in der Bewerbung bzw. im Bewerbungsanschreiben maximal 4 bis 5 Sätze mit “Ich”. Alles andere bauen Sie so um, dass es trotzdem Ihre Fähigkeiten in der richtigen Relation präsentiert.
- (2) Schreiben Sie immer höflich und direkt. Das zeugt von Selbstbewußtsein und Engagement. “Hiermit möchte ich mich auf… bla bla” ist schon lange out. “Ich bewerbe mich mit diesem Schreiben …” ist direkter und besser. Personaler haben Druck im Job und das Lesen von Bewerbungen soll nicht zum einschlafen animieren.
- (3) Verwenden Sie einen aktiven Schreibstil. Auch wenn es Ihnen beim lesen selbst etwas arrogant erscheinen mag, weil es nicht Ihr Stil ist, wenn eine unbeteiligte dritte Person das liest und sagt es klingt gut, ist es wahrscheinlich wirklich so. Vergessen Sie nicht. Bewerben ist ein Wettstreit. Sie gegen minimum 50 andere. Der Weichspülgang hilft da oft nicht.
Der Verzicht auf den aktiven Schreibstil ist einer der häufigsten Fehler in Bewerbungen und auch meist der gravierendste daran. Verwenden Sie noch immer Sätze wie: “Während einer Weiterbildung wurden mir umfangreiche Kenntnisse in …. vermittelt.”? Das ist grundsätzlich nicht falsch wirkt aber wie der Wasserfall, der auf Sie prasselte. Was davon hängengeblieben ist, bleibt dem (entscheidenden) Leser verborgen. Versuchen Sie doch mal: “Wärend einer internen Weiterbildung im Bereich …. konnte ich mir umfangreiche Kenntnisse aneignen und meinen Wissensstand in diesem Bereich ausbauen.” Hier sieht der Leser a) Sie haben was gemacht und b) Sie haben etwas erreicht.
Verwenden Sie nur die sogenannten Aktivverben. Stellen Sie sich richtig ins Licht. Sie haben gemacht, Sie haben sich angeeignet, Sie haben sich fortgebildet, Sie haben Erfahrungen gesammelt und Sie haben studiert oder Sie haben erfolgreich teilgenommen. Jeder Personaler will Adjektive über Sie wissen. Adjektive sind, wie Sie wissen, Eigenschaftswörter. Also sind Sie erfahren, selbständig, souverän, initiativreich etc. Hier können Sie mit Adjektiven förmlch um sich werfen, wenn es passt. Auch Ihre bisherigen Aufgaben können Sie mit Adjektiven sehr gut beschreiben. Komplex, umfassend, leicht, schwer, tagesaktuell, oder auch in der Steigerung äußerst schwierig. Wenn Sie Ihre Leistungen beschreiben und auf Dritte zurückgreifen (z.B. in Zeugnissen) dann verwenden Sie die Formulierungen von dort. Aber nehmen Sie die richtigen Formulierungen und lassen Sie die schlechten Zeugnisse lieber gleich ganz raus. Ihre Defizite, und wir sind sicher Sie haben welche, bringen Sie positiv zur Sprache. Sie haben garantiert “ausbaufähige Kenntnisse in den Bereichen … ” oder die Eigenschaft “weiterbildungsfähige Grundlagenkenntnisse in Randbereichen der Branche ” Bringen Sie hier Ihre Bereitschaft zur Weiterbildung und zur Qualifikation zum Ausdruck.
Animieren Sie zum weiterlesen. Ein purer Verweis auf Anlagen unter der Unterschrift reicht nicht mehr aus. Wenn Sie im Anschreiben nicht überzeugt haben, macht sich kaum ein Personaler noch die Arbeit, die Mappe durchzublättern um vielleicht doch noch eine gute Seite zu finden. Mit der Satzkombination “… entnehmen Sie bitte dem Lebenslauf und den beigefügten Unterlagen.” steigern Sie das Interesse an Ihren Dokumenten sehr und animieren zum weiterlesen. Deshalb sollten Sie auch keine Ergebnisse aus den Zeugnissen oder Zertifikaten marktschreierisch im Anschreiben platzieren. Wenn der Personaler das schon weiß, warum sollte er dann blättern?
Auch Arbeitslosigkeit ist schon lange kein Makel mehr. Auch längere Arbeitslosigkeit ist es nicht. Das passiert. Das ist Wirtschaft und manchmal ist man durch regionale Verpflichtungen in der Jobsuche wirklich eingeschränkt. Schreiben Sie aber nicht “während meiner Arbeitslosigkeit habe ich” sondern “Ich bin auf der Suche nach qualifizierter Beschäftigung in meinem Fachbereich.” Noch ein kleiner Tipp: Der Konjunktiv im Satzbau ist ja ganz nett aber er macht auch aus Ihrer Bewerbung einem Brief, der beantwortet werden kann oder eben nicht und wenn nicht wäre es auch nicht schlimm. Mit “Ich würde mich freuen, wenn Sie mir die Gelegenheit für ein Vorstellungsgespräch geben würden.” erklären Sie zwar Ihre Bereitschaft zu diesem, aber falls eben nicht ist auch nicht schlimm. Anders: “Ich freue mich, wenn Sie mir die Gelegenheit zu einem Vorstellungsgespräch geben möchten.” Möchten will jeder gern und da Sie sich freuen, wenn Sie einen Termin bekommen, macht es dem Leser auch Freude. Ein Grundbedürfnis des Menschen ist Freude schenken.
Jeder Beruf ist anders und jede Branche ist anders. Wo die eine Art funktioniert, kann diese in einem anderen Bereich schnell zur Rücksendung der Unterlagen führen. Wir können hier keine Universaltipps für alle geben. Bewerben ist ein komplexes Spiel. Der eine Arbeitgeber legt viel Wert darauf, andere kann man mit richtigen Unterlagen auch nicht überzeugen. Selbst eigene Erfahrungen haben das schon bestätigt. Wir können nur Tipps geben und hoffen, dass Sie mit der Verwendung der einen oder anderen Variante haben. In diesem Sinne, probieren Sie es aus. Wir wünschen viel Erfolg bei der Bewerbung.
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