Chef und Elitesportlerin
Geschrieben am: 1. Februar 2010 in Köpfe & Karrieren
Anette Norberg arbeitet als Chefin der Controllingabteilung bei schwedens größter Versicherung und trainiert gleichzeitig für die Olympischen Spiele in Vancouver. Das Ziel ist klar gesteckt. Eine Medallie soll es schon sein. Gold wäre der Traum. Danach soll etwas mehr Freizeit für Entspannung sorgen. Sportfans ist sie längst bekannt und denen, die sich dem Curling verschrieben haben, sowieso. Sie ist die weltbeste Curling-Athletin und gleichzeitig noch Führungskraft. Wie das zusammen passt und wie Sie Ihre Ziele derzeitig aussehen, lesen Sie hier.
Anette Norberg – Chefin und Elitesportlerin in Personalunion
In unserem Bereich Köpfe und Karrieren stellen wir hin und wieder interessante Menschen vor, deren Lebenslauf vom normalen Büroalltag abweicht.
Heute haben wir eine Top-Athletin für Sie, die gleichzeitig noch beruflich einen großen Verantwortungsbereich betreut. Die Rede ist von Anette Norberg.
Alter: 43
Familie: 2 Kinder / Sohn 19 u. Tochter 12
Beruf: Leitung der Controlling-Abteilung bei der Folksam Versicherung Schweden
Personalleitung: derzeitig 17 Mitarbeiter
Details: Mathematikfan, Chefcontroller bereits bei Nordea Bank und KP Pension (beide Schweden)
Aktuell: Vorbereitung auf die Olympischen Winterspiele in Vancouver (Start 12.Feb.)
Sportliche Erfolge: Gold bei den Olympischen Spielen 2006, 2x WM-Gold, 7x EM-Gold

Hier ein Interview mit Anette Norberg über Ziele, Pläne und Karriere.
Wie ist es, beides zu sein – Chefin und Elitesportlerin?
»Früher bekam ich immer zynische Kommentare, wenn ich früher von der Arbeit ging und mich für Wettkämpfe vorbereiten musste oder im Ausland bei Sportveranstaltungen war. Da spielte auch der berufliche Status eine untergeordnete Rolle und war eher noch negativer dafür. Aber nach dem Olympiagold von 2006 bekam ich Anerkennung und Verständnis für das was ich mache. Ich muss sehr diszipliniert sein im Job und im Sport. Gerade unter den Vorbereitungszeiten bin ich oft weg, muss aber meine Arbeit schaffen, auch wenn ich viel zu meine Angestellten delegieren kann.«
Vermissen Sie etwas, bei so wenig Freizeit?
»So viele Abende habe ich in den letzten Jahren gar nicht für mich selbst frei gehabt. Kino ist eher selten und Fernsehen auch nicht. Ich wünsche mir schon etwas mehr Freizeit. «
Ist es das wert?
»Ja, absolut! Ich habe sehr sehr gute Freunde mit viel Verständnis. Einige begleiten mich auch. Teilweise lebt man gerade mit Freunden richtig auf und kann sich besonders wohlfühlen. Das Gefühl ist eines der Besten in der Welt.«
Wie sind sie als Chef?
»Ich glaube, ich bin nicht sehr führend. Ich denke dass man Verantwortung und Kompetenzen geben muss und delegiere viel an meine Mitarbeiter. So kann ich mich auch besser auf das Gesamtbild fokussieren. In meiner Abteilung sind alle Spezialisten und da braucht man nicht etwas aus Prestige zu machen. Ich musste auch einsehen, dass andere gewisse Sachen auch besser können als ich. «
Sie referieren über Führungsstile. Was werden Sie am meisten gefragt?
»Oft wollen die Menschen wissen, wie es war bevor der letzte Stein bei Olympia 2006 geworfen wurde.«
Und? Wie war es?
»Es war als stünde die Zeit still. Ich war nicht nervös und hatte alles um mich herum abgeschaltet. Ich war in meiner ganz eigenen Welt. Die Gefühle zu beschreiben ist schwer. Es war wie in einem totalen Fluss, den man nur beim Sport erlebt. «
Wie sehen Sie Ihre Zukunft?
»Früher hatte ich große Ambitionen. Aber inzwischen zweifle ich etwas daran. Materielle Dinge sind nicht mehr so wichtig. Ich träume schon eher davon, etwas mehr Zeit zu haben. Einen Tag zu haben, wo man nichts vorgeplantes machen muss oder einfach mal irgendwo hinfahren, wo man selber hin will. «
Wird es Gold bei den Olympischen Spielen?
»Wir haben eine gute Chance, eine Medallie zu erreichen. Aber es gibt viele Länder, die sich stark verbessert haben und die Konkurrenz ist hart geworden. Wenn wir in der Mannschaftswertung unter den ersten vier sind, glaube ich, die Chance zu Gold in der Einzelwertung erreichen zu können.«
Wir drücken natürlich die Daumen und wünschen Anette viel Glück.
Das Interview wurde publiziert in schwedischer Sprache auf Chef.se.
Bildquelle: Chef.se
Übersetzung / Überarbeitung: Oliver Förster
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