Der Kugelschreiberdieb – Ein Kavalliersdelikt?
Geschrieben am: 30. Juli 2008 in Jobpraxis
Schlagworte dieses Artikels: Büromaterial, Diebstahl, im Job, Jobpraxis, klauen, Technik
Ein Kugelschreiber, eine Schachtel Büroklammern, das Paket Druckerpapier oder anderes Zubehör. Es ist so einfach und fast selbstverständlich und doch nicht in Ordnung. Frei nach dem Motto: “Aus unseren Unternehmen ist noch viel mehr rauszuholen!” bedienen sich Mitarbeiter aus fast allen Bereichen fast unbeschränkt an Firmeneigentum. Es gilt leider noch immer in den Unternehmen: “ist die Katz (in diesem Falle der Chef) aus dem Haus, tanzen die Mäuse.” Die Finger werden eigentlich nur von registrierten Inventurgütern gelassen. Ist der Kugelschreiberklau ein Kavalliersdelikt?
Der Kugelschreiberdieb
Ein Kavalliersdelikt als notorischer Lohnausgleich oder Straftat?
Alles, was sonst nicht Niet- und Nagelfest ist wird mitgenommen. Zu DDR-Zeiten wurden auf der Stralsunder Volkswert beispielsweise ganze Grundstücke mit “Volkseigenem” Stahl in Form von während der Arbeitszeit gebauten Zaunfeldern eingefriedet.
Wir wollen mit diesem Artikel nicht alle Arbeitnehmer über einen Kamm scheeren. Es sind hier nur Tatsachenberichte aufgeführt, die auch tatsächlich leider so in der oder ähnlicher Art und Weise in Deutschen Unternehmen passieren.
Besonders bei Büromaterial wird schamlos zugegriffen. Ein Bestellformular an die entsprechende Abteilung und schon stehen neue Materialien bereit. Verbrauchsmaterial wie Stifte, Papier, Büroklammern und Druckerpatronen werden so zu hunderten täglich entwendet und verursachen den Unternehmen in Deutschland Milliardenschäden. Leicht haben es dabei besonders die Angestellten im Groß- und Einzelhandel. Fast schon “legal” können diese über Preisreduzierungen an Neuware Produkte deutlich vergünstigt mitnehmen. Eigene Preisreduzierungen von bis zu 80% sind hier an der Tagesordnung. Das sie dafür noch bezahlen ist zwar löblich, letztlich ist der Preis aber zu niedrig und ungerechtfertigt. Das reicht hier von Lebensmitteln bis zum neuen High-End-Produkt.
Ganz clevere Verkäufer aus dem Lebensmittelbereich reduzieren sich fast abgelaufene Lebensmittel und kaufen diese dann ganz legal für den eigenen Verzehr. Das kann im Monat mehrere zig Euro sparen.
Das die Bauindustrie mehrere Millionen Euro jährlich verliert durch Selbstbedienung von Mitarbeitern ist fast jedem bekannt. Auch wenn es Restmaterialien sind, Bruchsteine, Rohre oder der sprichwörtliche halbe Eimer Farbe. Der fällt über den Monat gerechnet aber öfter an und das macht die Suppe dann dick. Selbst hochwertige Werkzeuge gehen auf nebulöse Weise in die Dauerleihe von Mitarbeitern über. In einigen Unternehmen ist der Chef informiert, sagt aber nichts, da diese Verbrauchsgüter auf dem Kunden bzw. der Allgemeinheit auferlegt werden und ihm das unmoralischer Weise auch egal ist. Andere kompensieren durch die Duldung einen geringen Lohn oder Überstunden und geben somit eine stillschweigende Anerkennung ab, die allerdings im Falle des Falles rechtlich für den Arbeitnehmer nicht von Bestand sein dürfte.
Aus rechtlicher Sicht gilt:
Egal was Sie vom Arbeitsplatz oder Auftragsort mitnehmen, sei es eine Maschine oder ein Bleistift. Es ist Diebstahl und kann strafrechtlich oder arbeitsrechtlich verfolgt werden. Seien Sie sich dessen bewusst.
Andere Chefs gehen da deutlich strengere Wege. So kann man in vielen Firmen zwar nach der Leihe, Preisnachlässen, Personalrabatt etc. fragen, fliegt aber sofort, wenn man ungefragt was mitnimmt. Kontrollen am Arbeitsplatz (nicht gerade wie bei Lidl & Co) aber in ähnlicher Weise, nach Feierabend am Ausgang durch den Werkschutz oder sogar durch eine Detektei sind ihm legitime und probate Mittel, um Verluste in Grenzen zu halten.
Bitte bedenken Sie dieses, bevor der nächste Kugelschreiber vom Schreibtisch in die Sakkotasche geht.
Übrigens: Verluste für das Unternehmen durch die Selbstbedienung der Mitarbeiter sind fallen in der Inventur auf und schmälern das Betriebsergebnis und letztlich ist vom Betriebsergebnis auch Ihr Arbeitsplatz abhängig. Der Chef wird sich auch bei geringerem Betriebsergebnis den neuen Schlitten leasen. Ob Sie allerdings eine Gehaltserhöhung bekommen werden, ist dagegen doch wieder mehr vom “Betriebsergebnis” abhängig. Also sägen Sie nicht am Ast auf dem Sie sitzen.
Wäre es nicht besser, wenn alle Mitarbeiter ehrlich und redlich handeln, unsinnig verschwendete Verbrauchsgüter auch mal aus eigener Tasche ersetzen würden und von dem Geld was das Unternehmen so übers Jahr gespart hat, eine Gehaltserhöhung für jeden rausspringt?
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