DGB fordert: Weniger Arbeitsstunden, mehr Lebensqualität!
Geschrieben am: 17. September 2008 in Arbeitsmarkt
Schlagworte dieses Artikels: Arbeitszeit, DGB, EU, Lebensqualität, Studie
Eine Forderung des DGB, die beiweitem nicht neu ist. Weniger Arbeitsstunden und mehr Lebensqualität will der DGB erreichen. Das dieser damit nicht auf die Gegenliebe der Arbeitgeberverbände stößt, dürfte ja wohl klar sein. Mit einer Durchschnittsarbeitszeit von 41,1 Stunden die Woche liegt Deutschland bei den Spitzenreitern in der Wochenarbeitszeit in Europa. Aber sinkt die Lebensqualität bei hoher Stundenleistung wirklich? Wir wollen in diesem Beitrag diese Forderung etwas analysieren.
Weniger Stunden auf Arbeit = mehr Lebensqualität?
Natürlich kam der DGB nicht von alleine auf die Idee. Die EU macht es möglich und gab eine Studie in Auftrag. Laut dieser Studie, der EU-Agentur zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen (Eurofound), zur “Arbeitszeitentwicklung in der EU” belegt Deutschland im europäischen Vergleich einen Spitzenplatz. Nur die Arbeitnehmer in Bulgarien (41,7 Wochenstunden), Großbritannien (41,4) und in Tschechien (41,2 Wochenstunden) arbeiteten in der Praxis länger. Die tatsächliche Wochenarbeitszeit in den 27 EU-Staaten liegt im Durchschnitt bei 40 Stunden. Am wenigsten arbeiten die Beschäftigten in Frankreich (37,7), Italien (38,4) und Dänemark (38,6).
Bereits seit mehr als 10 Jahren steigen die Wochenarbeitszeiten kontinuierlich in Deutschland.
Waren es noch 2003 38 Wochenstunden wurde Stück für Stück die Arbeitgeberforderung nach mehr Arbeitszeit durchgesetzt und mit fast jeder Tarifrunde diese etwas mehr angehoben. Das Ergebnis ist die aktuelle Durchschnittsarbeitszeit von etwas mehr als 41 Stunden. Negativ in diesem Trend wirken sich auch die neuen Arbeitsverträge aus den Dienstleistungsbranchen und im Einzelhandel aus, die in vielen Teilen Mitarbeitern Arbeitszeiten von 42 Stunden schon im Vertrag vorschreiben. Zusätzlich sind in CallCentern sogenannte E-Learnings zum Trend geworden, die mit bis zu 7 Stunden zusätzlich im Monat zu Buche schlagen.
Der DGB-Chef Sommer fordert nun kürzere Arbeitszeiten und will den Trend zu immer längeren Arbeitszeiten umkehren. Aber geht das auch so einfach?
Schon rein von der Mentalität ist der Deutsche kein Siesta-Typ und Durchschnittsarbeitszeiten von 40 Stunden werden als normal angesehen. Zudem definiert sich der Deutsche über seinen Job. Je größer, desto besser, je länger die Arbeitszeit, desto höher der Jobstatus.
Sicher, ist eine lange Wochenarbeitszeit nicht familienfreundlich und gesundheitsschädlich aber das ist das Autofahren auch und Extremsport sowieso. Negativ ist eigentlich nur, dass Arbeitnehmer fast immer deutlich länger arbeiten, als in den Verträgen vereinbart. Dabei ist es sehr unerheblich, ob ein Tarifvertrag oder ein individueller Arbeitsvertrag was anderes aussagen. Ein deutscher Arbeitnehmer ist leider so gepolt, dass er die Stulle die ihn ernährt nicht wegwirft. Auch ist es mit Arbeitskampfmaßnahmen nicht allzu weit bestellt. Während sich spanische oder französische Arbeitnehmer schnell und effektiv zusammenlegen um Forderungen durchzusetzen, wird in Deutschland so ziemlich jede Überstunde bis hin zum Burnot hingenommen. Selbst bekannt sind Wochenarbeitszeiten von 48 bis 52 Stunden dauerhaft und das bei einem 40er Arbeitsvertrag. Hier liegt der Hase im Pfeffer. Die Arbeit muss besser und auf mehr Schultern verteilt werden. Das schafft Arbeitsplätze und reduziert auch den deutschen Spitzenplatz in der Überstundenstatistik. Es kann ja wohl nicht sein, dass diejenigen, die Arbeit haben, noch mehr als vereinbart machen müssen und andere mit gleicher Qualifikation gar nicht in den Job kommen.
Doch steigt die Lebensqualität durch kürzere Arbeitszeiten? Weniger Arbeiten bedeutet doch auch weniger Geld im Säckchen und über dies definieren wir doch die Lebensqualität. Es ist natürlich kaum einen Mitarbeiter aus der Generation 50+ möglich, dauerhaft die hohe Wochenarbeitszeit und Überstunden durchzuziehen und vielleicht sollte hier wenigstens ein Ansatz geschaffen werden, Arbeitszeiten ab 50 zu reduzieren. Wer noch bis 67 arbeiten soll, wird das bei dem massiven Arbeitsdruck gar nicht durchhalten können. \r\nHier gibt es Berührungspunkte, die eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit und eine daraus resultierende Verbesserung der Lebensqualität verursachen könnten. Ansätze gibt es hier nur in sehr wenigen Unternehmen aber es ist des Gedankens wert, sich um die Erhaltung der Generation 50+ als Arbeitskraft in Unternehmen zu kümmern.
(Quellen: in Teilen DGB, AP)
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