Erfolg und Karriere – Eine Frage des Namens
Geschrieben am: 21. September 2009 in Arbeitsmarkt, Führungskräfte, Jobpraxis
Eine interessante Studie und Tagesdiskussion hörte ich am Freitag über den Webstream eines Radiosenders, der sonst nicht meine Aufmerksamkeit erregt. Schlaue Marie und dummer Kevin. Namen bestimmen nicht nur unsere Anrede, sondern auch unsere berufliche Karriere.
Der Name bestimmt über Dein Ansehen und die Karriere
Wie man sich bettet, so liegt man. Klingt logisch, ist auch so. Mit dem Namen ist das nicht anders. Man muss allerdings mit diesem eben leben und hat keinen Einfluss darauf. Meist ein Leben lang, wenn man sich nicht dazu entschließen sollte, doch einen Wechsel des Names kostenpflichtig durchzuführen. Eine hitzige Diskussion entbrennt derzeitig mal wieder in den Medien von Radio über TV und Internet über den Sinn und Unsinn von Charaktereinstufungen bei Namen. Grund ist eine Studie bzw. eine Masterarbeit von Julia Kube von der Universität Oldenburg. Hier wurde nach Namen und deren Assoziation von anderen geforscht. Die Studie ergab für einige Vornamen eine freundliche und leistungsstarke Interpretation bei Lehrern und Kontaktpersonen, die sich wiederum sich auch auf spätere Berufe und Karrieren ausweiten lässt. Und sie ergab auch, dass einige Lehrer bei bestimmten Namen sofort Antipathie verspüren, wenn der Name auch nur gelesen wird.
Gut, das ist jetzt eigentlich nicht neu. War bei mir auch so und meine Klassenlehrerin hatte meine Zensuren irgendwie früher im Kopf auch schon fertig und oft meine Arbeiten nur überflogen. Einige male, in höheren Klassenstufen fällt das einem selbst ja erst als Schüler auf, gelang es mir den Notendurchschnitt deutlich zu verbessern, da ich teilweise der Lehrerin “Flüchtigkeitsfehler” bei der Arbeitsbewertung im Vergleich von Mitschülern nachweisen konnte. Ein alter Hut also, der da wieder aufgebauscht wird.
Als eher freundlicher, leistungsstärker und verhaltensunauffällig stellen sich Kinder mit Vornamen wie Alexander, Sophie, Maximilian, Charlotte, Marie, Hannah, Simon, und Jakob im Bewusstsein von Lehrer und Lehrerinnen dar, während Namen wie Chantal, Angelina, Mandy, Kevin, Justin oder Maurice eher mit Leistungsschwäche und Verhaltensauffälligkeit assoziiert werden. Besonders “Kevin” hat sich als stereotyper Vorname für einen “verhaltensauffälligen” Schüler herausgestellt. Einige Lehrer behaupten sogar: “Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose”.
Spontan riefen wir am Freitag noch befreundete Personaler an, um einfach mal nachzufragen, ob sich das bis in Jobsuche und Karriere durchzieht. Während die Schweden sich das komplett verneinten und bis auf einem alle meinten, es wäre egal, wobei aber der Klang der Bewerbernamen die Reihenfolge der Vorstellungsgspäche bestimmt. Schwedische Namen zuerst und diese nach Klang sortiert und dann englische und ganz ausländische Namen.Die kontaktierten Personaler aus verschiedenen Zeitarbeitsfirmen in Deutschland reagierten da schon deutlicher und meinten ganz klar, am Namen und am Klang schon zu erkennen, was in den Unterlagen der Bewerber steht und bei gleicher Leistungskompetenz den Namen mit den persönlich positivsten Assoziationen den Vorzug geben.
Na, Hoppla. Sind wir denn alle wirklich so oberflächlich?
Wie sehe ich das? Verzeihen Sie mir, wenn es jetzt etwas hart klingt aber dies ist meine Subjektive Wahrnehmung:
positiv:
- Alexander-Der Große – Stark erfolgreich
- Sophie – hübsch, erfolgreich
- Charlotte – reif – bodenständig
- Simon – agil – fähig
- Jakob – klassisch – wertebewusst
negativ:
- Chantal – französische Hafennutte
- Angelina – auch nicht viel besser
- Mandy – würde ich jetzt eher als Küchenkraft einstufen
- Kevin – Schlägertyp – auffällig
- Justin – nicht dumm aber Muttersöhnchen
- Maurice – Drogendealer?
- Oliver – Bauer, Sklave, Forscher?
Mist. Ich liege irgendwie voll im Klischee. Dabei ist mir soziales Engagement gerade hier besonders wichtig. Zu meiner Entlastung muss ich allerdings sagen, das dies spontane Empfindungen sind und grundsätzlich bei mir JEDER eine Chance hat. Hob sich Horst dann auch als solcher herausstellt zeigt bei mir immer erst der Zweite Blick. Auch Kevin hätte mit, guten Zeugnissen, bei mir exakt dieselbe Chance wie Alexander.
Aus obiger Studie geht nunmal auch hervor, dass sich Eltern aus akademischen Schichten oft an älteren deutschen Namen orientieren und Eltern aus nichtakademischen Hause sich doch mehr an den Medien orientieren und die Kinder eher nach gerade aktuellen Popstars und Sternchen benennen, so Gabriele Rodriges, Namensexpertin der Universität in Leipzig, welche auch für die Freigabe von jährlich ca. 3000 Namen zuständig ist. Der Trend der Deutschen nach Klang gehtz zur Zeit an die Buchstaben – J M L bei Mädchen und Jungen und mit Vokalen i und a als Endung. Insgesamt werden Vornamen bei Jungen etwas weicher und oft kommen diese aus dem englischen.
Was sagt uns das nun wirklich?
Solange Deutsche in Klischees denken, ist es besser, Kinder nach großen und erfolgreichen Persönlichkeiten deutscher Geschichte zu nennen. Das macht den Kindern die ersten Lebensjahre zwar zum Horrortrip, doch letztlich wirkt es sich positiv aus. Und ein 30jähriger, der sich Peter nennt, ist nicht ungewöhnlich.
Es wäre einfacher und leichter für alle, wenn man nicht so oberflächlich denken würde.
In diesem Sinne, die Bitte: Achten Sie einfach nicht auf die Namen und Adressen der Bewerber. Zur Not lassen sie auf jedes Bewerbungsanschreiben als Ausblendeffekt ein Tesa-Post-It von der Sekretärin kleben. Das hilft zwar nicht, wenn Sie zum Lebenslauf und den Zeugnissen durchdringen, verändert aber garantiert den ersten Eindruck des Anschreibens, wenn Sie die Absenderadresse und den Namen des Bewerbers nicht sehen. Letztlich zählt doch nur, einen leistungsbereiten und zielorientierten Kandidaten zu finden. Egal welcher Name im Ausweis steht.
Sind nicht Namen eigentlich nur Schall und Rauch? Stellt sich wieder die Frage, was war zuerst? Henne oder Ei? Kevin oder Hartz4?
Fragend in die Woche startend,
O.Förster
Die ganze Studie gibt es als download unter:
http://www.kinderforschung.uni-oldenburg.de/download/Masterarbeit_JuliaKube_Vornamensstudie.pdf/
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