Googles Chef rät: Identität schützen!
Geschrieben am: 25. August 2010 in Sonstiges
Schlagworte dieses Artikels: Datenschutz, Google, Identität, Kartendienst, Netzneutralität, Netzwerke
Wir sprechen offen über Streetview und oft regen wir uns auf, wenn in Erfahrung gebracht wird, welche Informationen über uns mehr oder weniger schnell im Internet zu finden sind. Aber auch bei Google intern wird immer mehr vor der Aufweichung der Privatsphäre gewarnt. Selbst aus den Führungsetagen.
Nicht alles muss ins Netz
Wir warnen andere vor Kartendiensten und haben längst vergessen, dass es Maps schon seit Jahren gibt und jedes Haus von Oben erkenntlich ist. Andere Kartendienste zeigen da sogar noch viel mehr und diejenigen, die sich über die öffentlichen Aktivitäten von Google aufregen haben offensichtlich noch nie das Kartenmaterial auf Telefonbuch.de gesehen. Dort kann man jedes Haus sogar von allen 4 Seiten betrachten. Super. Formsquare macht nicht nur den Standort sondern auch den eigenen Status erkennbar und viele andere Dienste sind (zwar noch nicht so bekannt) aber doch schon viel weiter als das Riesenunternehmen Google.
Mails werden gespeichert und mitgelesen, Telefonate bei der Gelegenheit auch gleich, Behörden haben direkten Zugriff auf Kontostände und ARGEN stehen in direktem Kontakt mit den Finanzämtern und kennen bei Bedarf jede Kontobewegung. Meldeauskünfte anderer Personen bekommt man teilweise gratis via Mail und die letzten Partyfotos sind schon vor dem Vollrausch im Netz. Wer regt sich da jetzt noch über die Fassadenansichten von Google auf? Gegen das, was der Staat als Luftbildaufnahmen so ins Netz stellt ist der Google-Service eher eine Vollpleite, auch wenn er gut gedacht ist.
In Zeiten von Facebook und Co, wo jeder sich mit jedem vernetzten kann warnen auch inzwischen schon die hohen Tiere aus Googles Chefetage vor allzu penetranter Selbstvermarktung und Googles CEO Eric Schmidt empfiehlt sogar schon, dass man die Netzidentität wechseln sollte und falls das nicht mehr ginge, die Eigene.
“Sie werden es in Zukunft bereuen, wenn Sie zu viel Informationen über sich selbst online bringen “, sagte Eric Schmidt, CEO von Google gegenüber dem Wall Street Journal.
Weiter sagte er:
“Ich glaube nicht, dass die Gesellschaft versteht, was zur Zeit wirklich geschieht, wenn alles online verfügbar ist und von jedermann registriert und die ganze Zeit in Erfahrung gebraucht werden kann. Ich glaube, dass die Gesellschaft über diese Dinge nachdenken muss. Eric Schmidt sagte in dem Interview auch, dass viele ihre Namen in die Zukunft ändern werden, weil sie ihr gesamtes Leben im Internet verbracht haben.
Wahrscheinlich kamen diese Töne nicht ganz so ohne geschäftlichen Hintergrund. Google baut derzeitig noch an einer direkten Konkurrenz für Facebook und je weniger Informationen jetzt ins Netz kommen, desto mehr bleibt dann für das Google-Projekt übrig. Gleichzeitig ist der Konzern auch derzeitig gezwungen, sich immer mehr an die “trendigen” Dienste und Services zu werfen um eigene Dienste entsprechend einsetzen zu können. Zuletzt kam es so zu einer Zusammenarbeit zwischen Google und Twitter, die demnächst wahrscheinlich mit Werbeeinblendungen von Google erfolgreich starten wird. Auch die Funktion View Location für Twitter-User in den USA stammt von Kartenmaterial von Google.
Keine schlechte Idee und im Grunde genommen hat der CEO eigentlich auch recht. Bisweilen hat man bei einigen Leuten durchaus das Gefühl, sie würden im Real-Live gar nicht existieren und nur virtuell auf Anerkennung und Profilierung stoßen. Daneben verstünden die Menschen, besonders Jugendliche nicht die Wertstellung der eigenen Netzidentität. Unzählige Schulungen und Seminare in Schulen und privaten Bildungsträgern beweisen dies ständig auf’s Neue. Seit einiger Zeit beginnen wir unsere Schulseminare vor den Klassen mit den Worten: “Wir wollen Euch in den nächsten 45 das erzählen, was Ihr sowieso schon wisst und was Euch nicht interessiert.” Erstaunte Gesichter sind die Folge und manchmal gelingt es uns, nach dem Seminar einen Kontakt zu einem Schüler oder einer Schülerin zu halten, die sich wirklich um die eigenen Netzidentität sorgt und eigene Fehler wieder ausbügeln will. Wie gesagt manchmal und es wird langsam wirklich Zeit, dass mehr Menschen über die eigenen Profile im Netz nachdenken.
Für die Jobsuche sind saubere Profile in den richtigen Portalen sowieso immer besser als das Top-Profil bei einem Spaßdienst.
Quelle: E24 / Wall Street Journal
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