Googles Street-View – Fluch oder Chance für Unternehmen?
Geschrieben am: 13. August 2010 in Allgemein
Schlagworte dieses Artikels: Datenschutz, German Angst, Google, Straßenanblick, StreetView, Unternehmen
Mit 20 Städten will Google in Deutschland das StreetView-Angebot starten.Ganz ehrlich? In mindestens 10 Städten war ich noch nicht. Und ich finde StreetView gut. Warum, und was es für Ihr Unternehmen bedeuten könnte, lesen Sie in diesem Beitrag.
“German Angst” vs. globale Chancen durch Googles StreetView
In diesem Jahr sollen Städte wie Berlin, Bielefeld, Bochum, Bonn, Bremen, Dortmund, Dresden, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, Mannheim, München, Nürnberg, Stuttgart and Wuppertal das Angebot von Googles StreetView bereichern. Wie bereits erwähnt, war ich selbst in mindestens 10 Städten noch nicht. Ich würde gerne mal etwas fast-live-geklicktes erleben anstatt auf Bilder oder wackelige Youtube-Videos ausweichen zu müssen oder vielleicht gar nichts zu finden.
StreetView begreife ich als Chance für das Internet und für Unternehmen. In vielerlei Hinsicht.
Wer mich kennt, weiß auch, dass ich die Services von Google bislang sehr schätze. Gerade erst kürzlich gab es ein Android-Phone, da Google Navigator dort sogar per Sprachansage funktioniert und die lästige Tipperei für die Zieladressen einfach wegfällt. Zudem lassen sich Restaurants und Hotels schnell per Sprachansage in der Umgebung des Standortes aufrufen und so wird einfach die Arbeit auch um ein vielfaches effizienter. Ein Service, den ich persönlich nicht mehr missen möchte. GMail bringt Werbung nur in einer kleinen Kopfzeile ohne lästige Blinkebildchen mit vielen Funktionen und Maps brauche ich jeden Tag. Kalender und Reader sowieso und Picasa ab und an. Der Rest, je nach Verwendungszweck. Etwas “prostituiere” ich mich dann auch noch auf anderen Blogs mit Google Latitude, dem mein Handy ständig meinen Standort verrät und so primär jeder Blogbesucher sofort sieht, wo ich bin. Es stört mich nicht. Ich will es sogar so. Internet ganz oder gar nicht. Bei mir eben ganz. Manchmal kann man natürlich auch tricksen und ab und an bleibt das Handy, welches die Position auf Latitude anzeigt auch im Büro. Muss auch mal sein.
Jetzt kommt StreetView und man kann, so man denn in einer der 20 ausgewählten Städte wohnt, seine Straße und die ganze Stadt erkunden. Natürlich auch die Umgebung und selbstverständlich auch, wenn man nicht da wohnt und man eventuell eine Reise plant ist ein Blick auf das Ziel interessant. Die ganze Aufregung, welche in ausländischen Medien als “German Angst” bezeichnet wird, ist völlig überzogen. Moderne Navigationsgeräte haben es mit den POI schon längst vorgemacht und die Fotos von Hotels oder Sehenswürdigkeiten gleich in die Fahrtroute in entsprechender Positionierung eingeblendet. Kein Hotelbesitzer hat sich je beschwert, dass sein “Weißes Rössl” im Navisystem als Haltepunkt markiert war. Oder doch? Falls ich irre, korrigieren Sie mich bitte.
Nun schlagen Datenschützer Alarm und sprechen sogar von der Auflösung der Netzneutralität. Der Bund der Berufsgruppe der Kriminalbeamten verwehrt sich gegen StreetView um Einbrechern die Arbeit und Recherche nicht noch leichter zu machen, will aber gleichzeitig Sexualstraftäter ins Netz stellen. Straftäter ja – Hausfassaden nicht. Die Logik erschließt sich mir nicht wirklich. Gut. Man kann, wie andere Metropolen beweisen relativ genau die Location ausspähen. Aber man muss, auch wenn Googles StreetView-Fahrzeuge in ca. 3 Meter Höhe Fotografiert haben, getrost davon ausgehen, dass die Bilder keineswegs aktuell sind. In Google Maps finde ich meinen Wohnsitz noch immer ohne Carport, welchen ich schon vor 4 Jahren baute, meinen neuesten noch mit Baustelle, welche auch schon seit Jahren nicht mehr an der Optik kratzt. StreetView ist nicht aktuell und nur bei gewissen Punkten interessant. Google bietet, leider direkt in der Urlaubszeit, eine 4wöchige Möglichkeit, den Wohnsitz über die Meldefunktion unkenntlich machen zu lassen.
Doch was haben Sie als Unternehmen davon?
Schon jetzt bietet Google den Unternehmen zahlreiche Möglichkeiten, sich mit einem Account und der Eintragung in GoogleMaps zu präsentieren. Der Service nannte sich bis vor kurzem noch Local Business Center und ist nunmehr unter Google Places neu gelauncht worden. Die Verknüpfung zu Maps und später auch zu StreetView ist bereits beschlossene Sache. Viele Funktionen bieten den Hinweis auf Webseite, Onlineshop, Blog und leitende Personen. Linkmöglichkeiten ohne Ende und dazu noch Servicedienstleistungen wie Öffnungszeiten, akzeptierte Bezahlsysteme und natürlich die Angabe des Produktportfolios. Man müsste es nur nutzen um noch besser gefunden zu werden.
Wir nutzen es hier für unsere Unternehmen sehr intensiv und es lohnt sich für uns auf jeden Fall. Google Places hat uns schon so einiges Geld an lokaler Zeitungswerbung gespart. Jetzt stürmen auch viele Menschen ins Netz, die gar nicht wollen, dass das Unternehmen oder das eigene Haus bei Google zu sehen ist. Ziemlich dumm, wie ich finde, denn kaum jemand, der sich durch die Straße klickt wird wissen (wollen), wem welches Haus gehört. Kaum einer wird so dicht auf die Türschlösser zoomen können um deren Art und Bauweise erkennen zu können um vielleicht einen Einbruch zu planen. Zudem kommt ja noch hinzu, dass die Bilder ja auch nicht aktuell sind. Es wird im wesentlichen bei den Sehenswürdigkeiten bleiben und wer beruflich oder privat umzieht, kann und wird sich die Gegend schon mal vorab ansehen. Eine Erweiterung der Möglichkeiten, die seinesgleichen sucht. StreetView in der schwedischen Variante haben wir bereits schon seit Jahren in Stockholm benutzt um Geschäftskontakte anzusehen oder Routen zu planen. Gibt’s schon unter http://hitta.se/gatubild. Nicht neu also und die Aufregung, besonders in Deutschland für uns auch unverständlich.
Soweit zur Theorie. Die GoogleBusiness-Funktion ist derzeitig noch mit viel Aufwand per Hand einzurichten aber effektiv. StreetView ist aus unternehmerischer Sicht als Werbedienst zu sehen, der auch noch gratis angeboten wird. Als Unternehmen haben Sie mit Google StreetView durchaus viel mehr Möglichkeiten. Google arbeitet ständig an der stärkeren Verknüpfung seiner Dienste. So wird es in wenigen Monaten möglich sein, mehr über das Unternehmen bei Google zu präsentieren als bisher. Warum also nicht das kostspielige Firmenhauptgebäude auch auf dem eigenen Blog via StreetView verlinken oder die neue Produktionshalle, selbst wenn Sie im osteuropäischem Ausland steht.
Jetzt kommen garantiert diejenigen, die die Behauptung vertreten, Einbrechern und krimminellen Elementen werde mit StreetView Tür und Tor geöffnet. Ja, wirklich? Steht nicht eine effektive Diebstahlwarnanlage und der Schutz des Betriebseigentums in den Versicherungsbedingungen des Unternehmens? Warum haben Sie dann also Angst vor Einbrechern? Die sollten Sie, falls Sie diese Schutzfunktionen nicht haben, auch sonst haben. Die Einbrecher werden sich wohl auch nicht die Klinke in die Hand geben. Eher aber die Neukunden und Interessenten für Ihr Unternehmen, wenn diese Ihr Traditionsunternehmen oder das kostpielige und repräsentative neue Hauptgebäude via StreetView finden werden.
Interessant ist doch als Unternehmen auch die Gratis-PR, die Sie mit Streetview erreichen können. Besucher und Gäste können den Weg von Ihrem Unternehmen zum Hotel – so es denn recht dicht gelegen ist – schon einmal abschreiten und die DejaVu-Erlebnisse werden wohl zunehmen. “Hier war ich doch schon einmal. – Ja im Internet.”
Stellen Sie sich doch mal vor, Sie wollen ein neues Objekt bauen. Wo? Möglichkeiten gibt es viele. Doch die Standortbestimmung schon vorab anhand des Umfeldes durch Streetview festzuglegen, spart enorm viele Kosten, bevor jemand alle möglichen Standortbewerber abklappern muss. Gleich mal schauen, wo es passt, dann eine Auswahl treffen und der entsprechende Beauftragte für das Projekt hat gleich weniger Standortmöglichkeiten anzufahren. Das gilt sogar für Kleingewerbe. Wo gründet es sich ideal und wo nicht? Gibt es Laufkundschaft und wie sind die Mitbewerber? Wie sieht das Haus aus, wo der leerstehende Laden angeboten wird.
Ich persönlich finde StreetView noch mit als innovativste Internetdienstleistung gleich nach E-Mail und Navigationssystemen. Der ganze böse Buh-Buh-Zauber ist für mich nicht verständlich. Die sich bietenden Möglichkeiten sind größer als alle Horrorvorstellungen rund um Datenschutz und Co. Es ist ein Projekt von Google und wird verteufelt wie das Windows7 und alle seine vorgänger. Hinterher nutzen sowieso alle diesen Service mehr oder weniger.
Schaffen Sie sich für Ihr Unternehmen doch ein Profil bei Google und verknüpfen Sie es mit Ihren Angeboten, Dienstleistungen und anderen Kommunikationsmitteln und -/wegen. Werden Sie besser gefunden und gesehen. Für Ihr Unternehmen kann es nur gut sein.
In diesem Sinne
einen angenehmen Freitag wünscht
//O.F.
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