Jobhopping – Keine Erfindung der Bewerber
Geschrieben am: 7. Oktober 2009 in Arbeitsmarkt, Jobpraxis
Ein Tweet bei Twitter erregte meine Aufmerksamkeit und das Gemüt. Ein Personaler re-tweetete einen Post, in dem eine Webseite 7 Tipps für Jobhopper gab. Der Artikel las sich wie “Ihr seid soch alle selbst schuld, wenn Ihr Jobhopper spielt.”
Tipps für Job-Hopper
Den Artikel gab es auf dem CIO-Magazin (Link gekürzt: http://bit.ly/usEW6 ), doch das ist doch nicht das eigentliche Problem. Sicherlich ist es sehr wichtig, kürzere Anstellungszeiten irgendwie zu kaschieren. Personaler haben die Angewohnheit, die Lebensläufe nach sogenannten Jobhoppern zu selektieren. Diese Unterlagen gehen ganz schnell wieder zurück oder in die Tonne. Aber warum? Oft liegt es gar nicht am Bewerber selbst. Jobhopping ist keine Erfindung der Bewerber, sondern eine erzwungene Notwendigkeit aus der beruflichen Perspektive heraus.
Zugegeben. Es gibt wirklich Menschen, die halten es nicht lange irgendwo aus. Entsprechend sieht der Lebenslauf dann auch aus. 6 Monate hier, 4 Monate Arbeitslos, wieder 5 oder mehr Monate dort, wieder Arbeitslos usw.. Solche Bewerber sind durchweg schlecht zu händeln und als Personaler steht man (oder Sie) auch vor dem Problem, dass der ganze Prozess enorm viel Geld und Zeit kostet und mit so einem Bewerber eher das Risiko der erneuten Bewerbersuche besteht. Also gleich weg damit?
Wenn Sie schon Bewerber sichten, schauen Sie sich doch mal bitte die aussortierten Jobhopper genauer an. Vergleichen Sie die Zeiten. Mir ging es da aus eigener Erfahrung sehr ähnlich. Zu viele Unternehmen, oft nur genau ein Jahr und bei jedem Vorstellungsgespräch wird dann gefragt, warum. Dabei wusste der Mensch gegenüber doch ganz genau, warum das so ist. Auch er wollte wieder Unterstützung vom Amt, Lohnkostenzuschuß (LKZ) und wenn ein führender Personalerblog schon schreibt:”Stellen Sie ältere Arbeitnehmer ab 52 Jahre ein, die bringen den Lohn gleich mit.” muss man sich doch auch nicht wundern.
Solange der Staat Ihnen solche Offerten macht, mit Lohnzuschuss von bis zu 60% winkt und dieses Ihnen alle 1,5 Jahre für einen neuen Bewerber ermöglicht, dann ist das Problem der Jobhopper eher hausgemacht. Sie beschweren sich darüber, nehmen aber die Leistungen gerne in Anspruch. Da läuft was falsch.
Es gibt zwei Möglichkeiten, den Anteil der Jobhopper zu reduzieren.
1. Verzichten Sie auf Lohnzuschuss vom Amt. Erklären Sie das auch dem Mitarbeiter. Dies steigert übrigens ungemein seine Motivation, da er das Mitwissen hat, für das was er auch tut, zahlen Sie das Geld und niemand anderes. Sie werden sehen, es lohnt sich.
2. Verlängern Sie das Arbeitsverhältnis, wenn Sie doch von Lohnkostenzuschuss gebrauch machen. Stellen Sie den Arbeitnehmer weiter bei sich an. Sie müssen zwar nun die Lohnkosten (fast) alleine tragen, doch nach einem Jahr Förderung sollte der Sinn und die Leistungsfähigkeit dieses Arbeitsverhältnisses doch durchweg gegeben sein. Zuviele Arbeitgeber gehen den bequemen weg und beenden das Arbeitsverhältnis, leben ein halbes Jahr ohne diese Stelle und holen sich dann einen Neuen Bewerber mit Fördermitteln.
Natürlich spricht nichts dagegen, wenn Sie sich wieder jemanden mit Förderleistungen anstellen, doch sollte deswegen vorher besser kein anderer Vertrag ausgelaufen sein.
Vielleicht sollte ich an dieser Stelle noch etwas deutlicher werden.
Warum benutzen Sie Fördermittel vom Amt und sorgen so mit Ihrer Taktik für noch mehr Jobhopper? Wissen Sie eigentlich wie Bewerber denken, wenn das Wort Förderfähigkeit im Vorstellungsgespräch fällt? Ich verrate es Ihnen.
- Ah, der will mich auf Fördermittel. Der hat eigentlich kein Geld.
- Das sagt schon mal alles über den Job. Ok.
- Firma zu klein, zu pleite, zu insolvent?
- Er brauch einen, der den Dreck macht und bezahlen will er auch nicht.
- Mist, meine Gehaltsvorstellungen kann ich wieder knicken.
- Er tut mir damit einen Gefallen. Wow!
- Gut, aber 100% Leistung kriegt der dafür nicht.
- Dann kann ich mich ja schon mal fleißig weiterbewerben wenn es hier klappt.
Wenn man sich ernsthaft mit Bewerbern beschäftigt, bekommt man genau das zu hören und erfährt eben solche Gedanken.
Wenn alle (oder wenigstens ein großer Teil der Unternehmen) mitmachen, erreichen wir zusammen, dass die Quote der Jobhopper sich deutlich reduziert. Bewerber und kommenden Mitarbeiter haben wieder eine Perspektive, die weiter als die nächsten 12 Monate reichen.
Die Motivation der Mitarbeiter wird deutlich gesteigert und letztlich halten die Unternehmen damit auch die Staatsausgaben, die im übrigen von allen getragen werden, gering.
Die Tipps hinter obigem Link sind für Bewerber empfehlenswert. Grundsätzlich hilft bei mehreren Jobs in relativ kurzem Zeitraum aber immernoch Ehrlichkeit. Eine Begründung, warum das so ist und ob man selbst der Schuldige an der Situation ist, löst das Bild oft auf. Die Hervorhebung von Tätigkeiten und Projekten ist hier eine Pflicht um über die Zeiträume hinwegzutäuschen. Warnen wollen wir allerdings vor einer absichtlichen Verlängerung der Zeiten. Ein kurzer Anruf beim Arbeitgeber (oder eine Mail über Xing) kann hier ganz schnell das AUS der Bewerbung bedeuten.
Ist nur meine Meinung.
Mit freundlichen Grüßen
O.F.
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