Junge Karriere oder die Qual der Bücher
Geschrieben am: 20. August 2009 in Karrieretipps
Schlagworte dieses Artikels: Lehrpläne, Pisa, Schulanfänger, Schulbücher, Vergleichswerte
Alle Jahre wieder bietet sich für Eltern schulpflichtiger Kids ein Schauspiel, in dem man selbst der Hauptdarsteller ist. Der Run auf die Buchläden hat begonnen und damit nicht nur der übliche Stress sondern auch der tiefe Griff in die Geldbörse.
Jedes Jahr wieder anders und doch immer gleich
Mit der Suche nach den passenden Schulbüchern kann man eigentlich (und vielleicht sollte man es auch) beginnen, sobald man die Wunschlisten der jeweiligen Klassenlehrer hat. Kommt man später, wird man, wie ein schlauer Mann schon in den 80ern sagte, vom Leben bestraft. Und zwar, indem es auch in einem Wohlstandsstaat zu kuriosen Engpässen kommt.
Hat mal einer ein Din-A5 Geometrie-Heft für mich? Gibts gerade in ganz Stralsund nicht. Nein, ganz so schlimm ist es noch nicht. Man kann ja schließlich auch die Größe auf A4 ändern, auch wenn es der Lehrerin meines Sohnes in knapp 14 Tagen nicht gefallen wird. Aber egal. Auch nach einigen anderen Sachen läuft man sich irgendwie einen Wolf. Badekappen, Fineliner, Füller für Linkshänder und Scheren etc. etc. Ein Krampf, den ich irgendwie noch aus DDR-Zeiten kenne.
Die Jugend soll ja was lernen und so wurde dann der heutige Vormittag in Buchhandlungen, Schreibwarenläden und deren kleinere Abteilungen in Einkaufszentren verbracht. Mit zwei Kids in zwei untershciedlichen Schulen sollte man glauben, dass man von einem die Bücher weitrverwenden kann. Aber Pustekuchen.
Jede Schule hat das eigene Buchkonzept und so kauft man die 3. Klasse eben zweimal in 3 Jahren mit völlig verschiedenen Büchern. Jeder Lehrer hat seine eigene Vorstellung von Büchern, Verlagen oder Heftlineaturen und man ist als Eltern dann im Einkaufsstress.
Ziemlich ins Geld gehen auch die Preise der Bücher. So ist man dann schon in der Unterstufe für Hefte und ein paar Bücher (einige waren natürlich nicht vorrätig und sind erst nächste Woche lieferbar) schon mal 60,-€uronen los. Wer sich damit auskennt, wird auch wissen, dass für jedes Buch auch ein Umschlag benötigt wird, der mit gut 1,59 zu Buche schlägt. Ach was waren das für Zeiten, als Mutter noch die Stapel Bücher von mir und meinen Geschwistern drei Tage vor Schulbeginn mit Packpapier eingeschlagen hat. Das hielt fast ein ganzes Schuljahr und die, zu DDR-Zeiten erhältlichen, Folieumschläge passten eh nicht. Packpapier war da schon eine gute Lösung. Aber schick doch mal heute Dein Kind mit Büchern in Packpapier zur Schule. Die wollen da dann niewieder hin.
Das ganze für die 8. Klasse nochmal und wer in den Klassenstufen steigt, darf auch mehr zahlen und so gingen für 2 Kids ganz knapp 200 Euro über den Ladentisch. Natürlich werden die noch geknackt, wollen doch beide Schulen am Schulanfangstag auch gleich mal jeweils 25,-€ Kopiergeld. Übers Jahr wird dann nochmals die Kollekteschüssel rumgegeben, da es garantiert auch nicht reichen wird. Stapelweise Arbeitsblätter schleppte mein Sohnemann im letzten Schuljahr schon nach Hause. (Erklärt den Lehreren mal einer, das Kopien aus Büchern verboten sind? Verlage stimmen da nie zu. Ich wäre auch sauer, wenn irgendwer aus meinen zwei Büchern kopiert.)
Was ich aber seit der Zeit als Elternteil eines schulplfichtigen Kindes nicht verstehe ist, warum man sich in Deutschland zum Geier nicht auf einheitliche Standards in Büchern einigen kann. Dies sage ich nicht nur als Bewerbungscoach und Karrierberater sondern vor allem als Elternteil. Man hat doch durch die diversen Verlage und Unterschiede gar keinen vernünftigen Vergleich? Warum funktioniert das in Deutschland nicht wie in Schweden oder in Finnland, die nochimmer führend bei Pisa sind, da alle Vergleichswerte tatsächlich vergleichbar sind und alle Schüler einen einheitlichen Wissensstand haben.
Sicher kann sich der eine oder andere Verlag über mangelnden Umsatz oder Bevorteilung eines Mitbewerbers aufregen, aber wie soll man die Schreibkompetenz von Erstklässlern beurteilen, wenn schon in der Unterstufe einer Stadt die Schulen mit verschiedenen Schreibschriften, Schreibgeräten, Buchstaben und Büchern das Schreiben zu lehren? Es gibt zig verschiedene Fibel-Versionen. Mit Arbeitsheft und ohne, mit Ausschneidebögen und eben ohne, vom Verlag “Volk und Wissen” und von “Hinz und Kunz”. Mit Omi, Opi, Mimi am Zaun und Nina am Baum hat das alles recht wenig zu tun. Auch wenn die ABC-Schützen in einigen Schulen verschiedener Städte bis zur 2. Klasse nur mit Bleistift schreiben und andere den Füller richtig halten lernen oder gar einen Rollerball verwenden sollen.
Einheitliche Standards im Schulsystem haben in meinen Augen nichts mehr mit staatlichem Schulsystem zu tun, auch wenn es besser wäre, hier eine einheitliche Regelung zu treffen. Man hat eindeutige Vergleiche, die den Ableich von Wissensstand und Fortschritt ermöglichen. Das klingt vielleicht altmodisch, doch ist doch immernoch das effektiveste Mittel. Schließlich sind die Prüfungsfragen (wenigstens für jedes Bundesland) auch einheitlich. Vielleicht stünde Deutschland in der Pisa-Geschichte etwas besser da, wenn alle nach einem Schemata arbeiten und lernen. Zwischentests könnten halb- oder vierteljährlich sogar elektronisch ausgewertet werden und akzeptable, ungeschönte Ergebnisse liefern.
Früher im Ferienlager (ich liebe American Pie) konnte ich mich mit Leuten aus Gera oder Berlin unterhalten und alle waren in der Schule gleich weit. Sicher haben alle nicht alles gleich kapiert aber es handelte sich bei den Unterschieden wirklich nur um wenige Wochen. Wenn ich mir das Englisch-Arbeitsheft meiner Tochter aus der 8. Klasse begucke sehe ich auf jeder 3. Seite ein Kreuzworträtsel wo es entsprechend Begriffe einzusetzen gilt. Kann man das nicht auch mit einem Text machen? Warum ein halbseitiges Kreuzworträtsel mit Buchstabenfelder so groß wie ein Daumennagel. Ein Vergleich auf einer Schüler-Sommerreise nach Brighton im letzten Jahr zeigte auch hier schon deutliche Defizite und vor allem qualitativ hohe Unterschiede bei den Teilnehmern.
Allein der Streit um die Schulzeit bis zum Abitur würde mit Pro und Contras gut noch eine Seite füllen. Aber da Sohnemann für 2010 schon auf einem Internat angemeldet ist und Töchterchen Abitur und Studium in einem schwedischen Fachgymnasium / Fachuniversität machen soll tangiert mich das etwas periphär.
Ich such jetzt im Netz nach den fehlenden Büchern und schau mal, ob ich irgendwo in den Weiten des Internets noch eine Badekappe finde.
In diesem Sinne
Einen sonnigen Donnerstag
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