Kein Hitzefrei am Arbeitsplatz
Geschrieben am: 15. Juli 2010 in Jobpraxis
Schlagworte dieses Artikels: Büro, Gluthitze, Hitzefrei, IG Bau, Job, Jobpraxis, Sommer, Sonno-Meter
Schulkinder haben es ja bekanntlich noch recht gut, wenn es Sommer wird. Hitzefrei winkt, wenn die Temperaturen über 30 Grad steigen und sich die großen Räume mit den vielen Fenstern zu sehr aufheizen. Passagiere des ICE haben es da schon deutlich schwerer, wie die vergangenen Tage zeigten. Sie können keine Fenster öffnen und sind auf die Funktionsfähigkeit der Klimaanlage im Zug angewiesen. Leiden Sie im Job auch unter der Hitze? Was Sie jetzt noch tun können, erfahren Sie hier.
Hitzefrei im Job und das “Sonno-Meter” der IG Bau
Bei Außentemperaturen um die 35° Celsius wird es auch in fast jedem Büro, an fast jeder Werkbank und in jedem Laden unerträglich. Gerade der Arbeitsplatz am Fenster im Büro wird eher zur Folter. Aber auch diejenigen, die beruflich mit dem Auto unterwegs sind, gehen gerade bei dieser Sommerhitze große Gefahren ein.
Gut bedient ist, wer sich einen Ventilator in die Nähe des Arbeitsplatzes stellen kann. Autos haben glücklicherweise ja fast alle schon eine Klimaanlage, doch auch hier droht schnell Gefahr für die Gesundheit. Oft wird die Klimaanlage zu kalt gestellt und der Temperaturwechsel beim ein- und aussteigen schlägt sich nicht selten einige Tage später als Sommergrippe wieder.
Autofahrer sollten bei beruflichen Fahrten darauf achten, dass die Temperaturunterschiede nicht zu hoch werden. Wer Spraydosen (Farben / Lacke / Deodorant) transportiert, sollte diese auf jeden Fall abdecken und ggf. in den Fußraum hinter die Sitze verstauen. Die Flaschen könnten zu Bomben werden, denn im Auto sind Temperaturen von 70 Grad und mehr keine Seltenheit. Wer tanken muss, sollte den Firmenwagen nicht volltanken. Besonders Diesel dehnt sich bei hohen Temperaturen aus und dabei könnte es zu Versprengungen des Tanks kommen. Vorsicht ist also geboten.
Der Wetterdienst bestätigte zwar, dass die Hatz auf die hohen Sommerwerte vorbei sei, doch ein paar Tage mit Temperaturen um die 30° werden uns auch noch vergönnt bleiben.
Wer nicht über ein klimatisiertes Büro verfügt und auch keinen Ventilator hat denkt wehmütig an die Schulzeit zurück, als der Direx den kollektiven Hitzeausfall verkündete. Eine Schüssel Wasser unter dem Tisch für die Füße oder gleich den Swimmingpool auf dem Hof aufbauen und die Mittagspause für ein erfrischendes Bad nutzen. Schön wäre es. Am Arbeitsplatz sieht es leider anders aus. Hitzefrei ist nicht.
Es gibt im kompletten Arbeitsrecht keine Festlegung für Hitzefrei. Es gibt nichteinmal eine Rechtssprechung, die man als Exempel nutzen könnte.
Im BGB gibt es den Paragraf 618, der den Arbeitgeber anweist, den Arbeitsplatz so einzurichten, dass für das Leben und die Gesundheit keine Gefahr besteht. Anpassend dazu gibt es eine Arbeitsstättenverordnung, die eine gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur fordert. Angemessen gelte ein Bereich ab 15 bis 26 Grad. Das bedeutet aber nicht, dass man bei 27 Grad Bürotemperatur einfach mal Hitzefrei machen könnte. Das ginge allerdings, wenn die Rechner in den Büros reihenweise abschmieren, doch so ein Desktop-PC hält da schon noch ein paar Grad mehr aus. Ob die Bürotemperaturen noch erträglich sind, entscheidet der Chef oder die Führungskraft selbst. Wenn alle Lüftungsversuche allerdings nicht mehr den gewünschten Erfolg erzielen, sollte man dann aber doch im Sinne des Personals entscheiden und ggf. zusätzliche Pausenzeiten genehmigen. Auch die Spende von Freigetränken oder Eis sorgt nicht nur für Abkühlung sondern auch für ein besseres Betriebsklima.
Was hilft ist Flüssigkeit. Sie kennen ja die Wasser-Werbung. “Viel trinken ist doch wichtig!” Jedenfalls schützt die Zufuhr von Flüssigkeit vor dem Hitzekollaps, senkt den Blutdruck, eventuelle Kopfschmerzen verschwinden wieder und das Gehirn bekommt durch die Abkühlung mehr Sauerstoff. Gewarnt sei an dieser Stelle auch vor dem Hitzschlag. Wer zuwenig trinkt, geht ein hohes Risiko ein.
Erste Anzeichen sind eine hohe Körpertemperatur über 39°, trockener Mund und Kopfschmerzen, Kreislaufbeschwerden, plötzliche Verwirrtheit, Übelkeit und Erbrechen. Letztes Anzeichen ist der Ohnmachtsanfall.
Dies kommt daher, dass durch den Flüssigkeitsmangel die Kühlfunktionen des Körpers stark eingeschränkt werden. Die Zellstrukturen werden beschädigt. Bringen Sie die betreffende Person umgehend in kühle Räume, führen Sie Flüssigkeit zu. Wadenwickel und kühle Tücher auf der Stirn und im Nackenbereich helfen. Rufen Sie ggf. einen Notarzt. Es schadet auf keinen Fall, medizinisches Fachpersonal zu rufen.
Das Ihnen die Sommerhitze nicht zu Kopf steigt, wünscht
Die Redaktion
//S.F.
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