Keynote
Geschrieben am: 30. Juni 2010 in Führungskräfte
Schlagworte dieses Artikels: Apple, iPhone4, Keynote, Quartalszahlen, Unternehmen
“Watch the Keynote” auf der apple.com Seite! Aber Vorsicht. Die aktuellste Keynote dauert und dauert und dauert. Gute 2 Stunden. Doch es macht riesigen Spaß Steve Jobs zuzuhören und zu sehen, wenn er mit Zahlen spielt und Innovationen des Unternehmens präsentiert. Keynotes – Mehr als nur eine Pressekonferenz.
Keynote für Ihr Unternehmen
Von Apple über Microsoft bis zur DFB-Elf
Presseerklärungen und Pressekonferenzen sind irgendwie total out, wenn man sich die Präsentationen und Berichte von Unternehmen ansieht, die den Status “HIP” haben. So auch bei Apple. Und ich muss neidlos gestehen: Ich mag es und sehe es gerne. Oft auch mehrfach. Der charismatische Boss des Apfelkonzerns zelebriert mit einer einzigartigen Performance seine Produkteinführungen und Quartalszahlen wie kein anderer Chef auf der Welt. Mitbewerber Microsoft versucht es auf ähnliche Art und versagt dabei trotzdem kläglich. Keynotes von Microsoft wirken dagegen altbacken und vertrocknet.
Die T-Wieauchimmer sitzt noch hinter einer großen Tischreihe mit Platzschildchen und bestenfalls ein kleines Podium steht für Sprecher bereit und auch bei Siemens oder anderen deutschen Superunternehmen sieht es nicht anders aus. Irgendwie werden Produkte auch in Deutschland nicht so vorgestellt und die offiziellen Präsentationen sehen eher aus wie die Landesparteitage der FDP.
Die aktuellste Keynote zum iPhone 4 kann man sich bei Apple auf der Seite ansehen und man muss schon etwas Zeit mitbringen, um sie komplett zu sehen. Keynotes bei Apple sind längst mehr als nur einfache Produktvorstellungen. Sie setzen Standards in der Präsentation neuer Produkte des Unternehmens und im Umgang mit Medien. Immer häufiger liest man auch im deutschsprachigem Internet auf Profilseiten oder Visitenkarten “Keynote speaker” bei Menschen, die es sich zutrauen, es Steve Jobs gleichzutun. Doch diese Stiefel sind schwer anzuziehen. Ein Rollkragenpulli und eine verwaschene Jeans reichen da bei weitem nicht. Steve Jobs zerpflückt sein Unternehmen in ständig wachsende Sparten und zelebriert einzelne Erfolge wie ein Sieg beim Worldcup. Verkaufszahlen werden in den Himmel gelobt und als “Amazing” publiziert. Die Bühne, die Leinwand mit der Präsentation, die Produkte und das Publikum. Alle sind Teil vom Ganzen.
Es ist aber für Steve Jobs und den ganzen Apple-Konzern derzeitig sehr leicht, sich selbst zu feiern. Die Produkte haben einen Hype-Status erreicht, der jede Idee aus dem Apfelhaus sofort zum Kult stilisiert. Niederschläge gibt es derzeitig nicht. Jedenfalls nicht offiziell und falls doch, werden diese aber auch gar nicht erwähnt. Aber “Wir haben 5 Mio Apps bei iTunes verkauft. – Unglaublich! 5 Mio. Das sind XX täglich, seit Beginn des iStores. 5 Mio das sind 17 Apps pro Gerät. Unglaublich. 5 Mio Apps. Amazing. Vielen Dank.” oder so ähnlich.
Nun mag ich mir gerne vorstellen, was Steve Jobs sagen würde, wenn es nicht so wäre.
“Das iPad ist gefloppt. Die Qualität stimmt nicht und das Gerät ohne 3G versprach mehr, als es halten konnte. Unglaublich. Wir hätten 10 Mio Geräte in diesem Jahr verkaufen müssen und nur 3 Kunden haben sich dafür entschieden. Unglaublich. Jeder hat nur 3 Apps geladen und die waren auch noch kostenlos. Unglaublich. Wir sind Pleite. Unglaublich. Vielen Dank.”
Das wird so nicht passieren. Schlechte Nachrichten werden eher versteckt und nicht zelebriert. In der Regel ist es auch so, dass bei Produkteinführungen die älteren Modelle im Preis sacken und Käuferschichten mit weniger Budget zur Verfügung stehen. Anders ist es diesmal beim iPhone4. Durch den Launch der neuen iOS4-Software als Betriebssystem, welche mit den älteren Modellen kompatibel ist, gelingt es Apple, auch den Besitzern aktuelle Standards und Innovationen anzubieten und gleichzeitig die Preise für das iPhone 3GS und iPhone 3G stabil zu halten. Multitasking und neue Funktionen sind jetzt auch für die “alten” Geräte verfügbar und das ist ein Punkt, bei dem sich viele andere Hersteller durchaus eine dicke Scheibe abschneiden sollten. Microsoft stellt den Support für XP ein um endlich ordentlich das Windows7 verkaufen zu können. Dumm nur, dass 50 Millionen Rechner weltweit damit noch laufen und viele nur noch ein Fall für den Schrottplatz sind, da diese aus Leistungsgründen mit Win7 nichts anfangen können und auch nicht oder nur teuer aufgerüstet werden können. Das Upgrade ist auch nicht kostenlos und so müssen sich nun Millionen Nutzer Gedanken über eine Neuanschaffung machen, die eigentlich noch gar nicht erforderlich wäre. “Alt, aber gut. Aber alt.” meint Microsoft und trotzdem fallen auch in unserer Redaktion 2 Rechner der Blechpresse zum Opfer. Schade eigentlich und eine Ressourcenverschwendung ohne Beispiel. Microsoft das digitale BP?
Zurück zu den Keynotes. Diese zu organisieren und zu präsentieren ist recht einfach. Man muss (und sollte) sich schlichtweg einfach nur modern (oder angepasst) präsentieren und wieder zelebrieren. Ein Digi-Team übernimmt die Aufarbeitung der Fakten und ein Sprecher (bevorzugt der CEO) gibt die Fakten dann betont lässig von sich. Probieren Sie es mal aus. Vielleicht ersteinmal jährlich einmal oder als Kombination mit der Pressekonferenz. Stellen Sie die Aufzeichnung überall (Webseite, Produktseite, Youtube) ins Internet. Vermarkten Sie die Keynote bestmöglich. Schaffen Sie sich einen neuen Kundenstamm und Fans für Ihre Produkte oder Dienstleistungen. Es könnte sich auch für Ihr Unternehmen lohnen.
Samstag spielen wir bei der WM in Südafrika gegen die Mannen von Ex-Superstar Diego Maradonna. Wie würde denn die Keynote vor dem Spiel vom Bundestrainer aussehen? Vielleicht so, a la Steve Jobs?
“Wir haben einen ganz neuen Müller. Müller hat im vergangenen Spiel – Sie erinnern sich – zwei wunderbare Tore geschossen. Zwei Tore in einem WM-Spiel. Unglaublich! 2 Tore. Und er hat noch in den vergangenen Tagen dazugelernt und trainiert. Er ist jetzt noch besser als vorher. 2 Tore – Das will er wiederholen. 2 Tore. Unglaublich. Wir glauben ihm.
Schweinsteiger, Klose und Özil sind ebenfalls bereit und heiß auf das Spiel. So heiß, zu gewinnen und Messi Fußball zu zeigen. Unglaublich!
Der DFB-Fanshop wurde in den letzten Tagen über 25.000 mal besucht. 25.000 mal. Unglaublich. Vielen Dank. Es wurden über 50.000 Artikel gekauft. 50.000 Artikel. Das sind durchschnittlich 2 je Kunde. Unglaublich. 2 Artikel je Kunde. Ein toller Erfolg.
Und wir haben jetzt eine noch stärkere Motivation. Michael Ballack – Ja Ballack, der Kapitän – ist hier in Südafrika und wird die Mannschaft durch seine Anwesenheit motivieren und zusätzlich betreuen. Unglaublich. Der Kapitän ist auch in Südafrika. Wir sind hochmotiviert und können den Cup gewinnen. Unglaublich motiviert. ”
Auf ein schönes Spiel und eine ähnliche DFB-Keynote freut sich
Die Redaktion
//O.F.
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