Klassenbildung
Geschrieben am: 23. Juni 2010 in Allgemein
Schlagworte dieses Artikels: Berufsausbildung, Jobsuche, Lehrausbildung, Lehrstellensuche, Pisa, Schule, Schulleistungsvergleich
Man muss sich nicht wirklich wundern, wenn Arbeitgeber freie Lehrstellen haben und diese gar nicht besetzen können. Vielleicht sind ja einfach nur die Bewerber so schlecht. Die “Generation SocialMedia” scheint sich auch wirklich nur auf das Internet zu konzentrieren. Jedenfalls, wenn man dem aktuellen Bildungsvergleich Glauben schenkt. Oh, wir haben es alle befürchtet und schon seit Jahren wird es prophezeit. Wer schwach ist, lernt nichts und der Süden hängt alle um Längen ab.
Schulleistungsvergleich – Schwächen, Gefälle und Hoffnung
Das Schulsystem in Deutschland lahmt. Das ist bekannt. Auch die neumodische Taktik, Schulen als eingenständige “Unternehmen” in die Eigenverantwortung zu nehmen, ändert daran leider nicht viel.
Schon gar nicht, wenn die Budgets dafür viel zu knapp zugewiesen werden und bestenfalls an den Stammdaten der Vorjahre ermittelt werden. Schulen brauchen Investitionen und diese kosten eben auch ein gewisses Extra an Budget im Schultopf. Doch in Zeiten knapper Kassen in so gut wie allen Kommunen sind Investitionen in Schulen allerbestenfalls noch in zwingende Reparaturen möglich.
Aber ist das auch der Grund, warum die Schüler in Deutschland so unterschiedliche Leistungen in einem einheitlichen Test aufweisen? An anderer Stelle in diesem Blog hatten wir ja schon mal erwähnt, dass wir uns noch vor 25 Jahren in einem Ferienlager sehr gut mit Schülern aus anderen Städten vergleichen konnten und die Unterschiede zwischen Gleichaltrigen betrugen da maximal zwei Wochen. Diese waren meist dem Tempo der Klasse oder der Krankenzeit der Lehrkraft geschuldet. Es war eben ein anderes Bildungssystem.
Jetzt wurde erstmals deutschlandweit auf einheitlichen Standards basierend getestet und das Ergebnis ist wahrlich nicht prickelnd. 41.000 Schüler der 9. Klassen aus 1500 Schulen hatten die “Ehre” und Verpflichtung, in dem Test Höchstleistungen zu erbringen. Die Neuntklässler wurden in den Fächern Deutsch und Englisch getestet und schnitten bei diesem Test extrem unterschiedlich ab. Gravierend ist bei den Ergebnissen die Feststellung, dass der Süden mit Bayern und Baden-Württemberg den Norden ziemlich im Regen stehen lässt. Auch Sachsen gehört zur Spitzengruppe. Das Auffassungsvermögen der Schüler, die Verständnisfähigkeit von Texten in Wort und Schrift und die Umsetzung von gestellten Aufgaben ist bei Schülern aus den genannten Bundesländern deutlich höher als bei Schülern aus dem Norden. Die Rücklichtposition in fast allen Disziplinen hat Bremen für sich reserviert. Vielleicht ein Grund für den dortigen Bildungssenator mal über die möglichen Ursachen nachzudenken. Im Direktvergleich wurde den Bayovaren ein Wissensvorsprung von gut einem Schuljahr gegenüber den Hanseaten errechnet. Na, aber hallo. Da verwundert es jetzt nicht mehr, wenn ein befreundeter Tischlermeister nicht mehr ausbildet, mit der Begründung, die Bewerber können nichts mehr. Gut, Englisch und Deutsch muss man als Tischler jetzt nicht so, doch der Vergleich lässt durchaus auch Schlüsse zu den wirklich wichtigen Fächern zu. Mathematik, Physik, Biologie etc. “In welchem Bundesland liegt denn eigentlich Berlin?” – Fragen Sie Ihre Bewerber mal beim nächsten Vorstellungsgespräch. Sie werden überrascht sein.
Gleichfalls mit diesem Test wurden aber auch Hintergründe ausgewertet, die mit dem normalen Leistungsspiegel nicht viel zu tun haben. Es ging bei den Hintergrunddaten um die soziale Komponente und die hat es wahrlich in sich. Demnach kann man es als Kind aus einem normalen Arbeiterhaushalt / Facharbeiterhaushalt kaum eine Chance auf gymnasiale Bildung. Hier spiegelt sich wohl die Tatsache wieder, die auch in anderen sozialen Fällen gilt: Man wird, was man vorgelebt bekommt. Nur wenige schaffen den Sprung oder besser den Weg weiter. Gymnasium und Studium nur was für Akademikerkinder? Wenn diese Tatsache aus diesem Test als Ergebnis vorgeht ist es allerhöchste Eisenbahn, dass sich in Deutschland schnellstmöglich etwas ändert. Zwischen 4:1 und 6:1 stehen die Chancen, dass ein Akademikerkind in Deutschland alle Bildungswege eher ausschöpft als ein Kind aus normalen oder sozialschwacher Herkunft. Einzig in Berlin scheint es eine spezielle Förderung in diesem Bereich zu geben. Oder Berlin tickt anders. Egal wie auch das zu sehen ist, sind hier die Chancen für Kinder von “Otto-Normal-Verbrauchern” doch recht gut in der Hauptstadt.
Doch was bedeutet das eigentlich für den Staat Deutschland allgemein?
Das Bildungssystem krankt und die Unterschiede zwischen den Ländern sind zu hoch, obwohl alle Bundesländer doch eigentlich jedes für sich ein eigenens Bildungskonzept mit einem (wenigstens) landeseinheitlichen Lehrplan haben.
Wäre es nicht an der Zeit, die offensichtlich unterschiedlichen Lehr- und Lernpläne der Schulen in allen Bundesländern auf ein einheitliches Niveau zu bringen? Ein einheitliches Bildungssystem für alle?
Und die sozialen Bildungschancen? Hier sind eindeutig Berlin und alle Landesregierungen gefragt. Ein Machtwort – mal ausnahmsweise nicht zum Sparpaket oder zum internen Koalitionszwist sondern zu dem was wirklich wichtig ist für Deutschland.
Gleiche Bildungschancen in einem einheitlichen System für alle.
Meint jedenfalls
Die Redaktion
//Y.S.
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