Leben ohne Internet – Vorstellbar?
Geschrieben am: 12. Mai 2010 in Allgemein, Jobpraxis, Technik für Chefs
Schlagworte dieses Artikels: Arbeit, Ausfall, E-Mails, Internet, Job, Karriere, Network
Könnten Sie sich vorstellen, ohne Internet noch leben zu können. Keine E-Mails, keine Webseiten, keine ebooks und keine Newsletter mehr bekommen? Der heutige Ausfall der Nameserver der Denic, der zu einem temporären Totalausfall fast aller .de-Domains in Deutschland führte, hat einige ganz gewaltig verschreckt und den Spöttern des Internet wieder Nahrung gegeben. Ist ein Leben ohne Internet noch vorstellbar?
Internet kaputt – Was wäre wenn? – Eine Theorie”

Wir kennen tatsächlich sogar einige Leute, die ein Leben ohne Internet noch voll praktizieren. Einige davon haben nichteinmal einen Computer. Unglaublich. Die sind sogar glücklich. Die haben noch nichteinmal im Job einen Rechner.
Wie unvorstellbar das für uns als Medien- und Unternehmensberatung eigentlich ist, brauchen wir an dieser Stelle ja nicht zu erwähnen. Ohne Internet wären wir nichts. Nicht existent. Nicht da und niemand würde wahrscheinlich mit uns sprechen.
Über die Twitter-Timeline lasen wir vorhin von jemanden einen Tweet “Internetz kaputt – Männer rufen ihre Frauen an, Nerd machen die Gardinen auf. Die Produktivität in D steigt erheblich. Ist das schön!”
Doch was wäre, wenn es plötzlich, aus welchem Grunde auch immer, kein Internet gäbe?
Würde die Produktivität in Unternehmen wirklich wieder (oder wenigstens mehr) steigen oder würde sich das umkehren?
Es kommt auf die Branche an. Medienbranchen mit ausschließlicher Online-Ausrichtung würden schnell überflüssig werden. Stellen wir uns aber zuerst einmal vor, auf was wir verzichten würden.
- Firmenhomepage
- E-Mail-Adressen
- Größere Bereiche interner Unternehmenskommunikation
- Netzwerke
- Blogs zur Kundenkommunikation
- Online-Shops
- Reklamemöglichkeiten
- Newsletter und Spieleseiten
- Nachrichtenseiten
- Recherchematerial
- Spam
Dann mal der Reihe nach.
Auf die Firmenhomepage könnte ggf. verzichtet werden. Die Preise für Branchenbücher würden zwar exorbitant steigen und die Anzeigen dort auch, doch das gute alte Telefonbuch hätte wieder Hochkonjunktur.
E-Mail-Adressen wären ein Einschnitt, auf den man nur noch nach längerer Eingewöhnungszeit verzichten könnte. Schnelle Kommunikation ohne Papier. Das Novum der Internetnutzung. (Vorausgesetzt man heißt nicht Herr Grupp und lässt sich E-Mails weiterhin ausdrucken. ) Die schnelle Beantwortung von Kundenanfragen und der Support würde wieder extrem Zeitaufwendig. Allerdings würde dafür auch mehr Personal benötigt werden. Jobchancen ohne Ende. Unsere Vermutung: Mindestens 1 Million Arbeitsplätze im Bereich Support und Kundenkommunikation und/ oder Post könnten entstehen.
Interne Unternehmenskommunikation wird wieder mehr über das Mobiltelefon oder das Schreibtischtelefon durchgeführt. Mitarbeiter finden die “Lautlos klingeln Taste” wieder und man versucht den ganzen Tag den Maier vom Büro nebenan zu erreichen. Die internen Telefonkosten würden das Budget nicht sprengen, da diese durch eine richtige Schaltung der Anlagen sowieso kostenlos wäre. Clevere Admins nutzen für die interne Kommunikation das Intranet der Firma. Faktisch wäre alles wieder, wie vorher. Kommunikation mit längerem Textmaterial würde wahrscheinlich wieder über das Faxgerät laufen. Machen wir es wieder, wie Herr Lagerfeld, der noch heute zugibt, gerne und viele Faxe zu versenden.
Netzwerke wären nicht mehr da. Das schnelle Telefonbuch, welches meine Kontakte für mich pflegen, wäre nicht mehr da. Wie schade, oder auch wie nicht. Man erkennt dann eigentlich erst, wen man wirklich kennt und braucht. Die wichtigsten Kontakte werden ins Handy und in den Kurzwahlspeicher übernommen, falls diese nicht schon durch interne Anschlüsse belegt sind.
Die Kundenkommunikation auf Blogs oder anderen Firmenseiten wäre faktisch nicht mehr gegeben. Keine Rechtfertigungen mehr, wenn jemand mal wieder die Community im Web als Idioten bezeichnet. Da es weder Community noch Web gibt, kann man seine Kunden und deren Freunde wieder nennen wie man will und keiner merkts. Zudem braucht man sich nicht mehr so häufig rechtfertigen. Für Kundenanfragen steht der Support zur Verfügung.
Online-Shops wären der größte Verzicht, den Internet-Nutzer aufbringen müssten. Schnell mal billig was ersteigern oder Markenware zu günstigen Konditionen kaufen? Dann ran ans Telefon und den aktuellen Katalog bestellen.
Reklamemöglichkeiten – Stellen Sie sich vor, Sie machen den Computer an und sehen keine Blinkebildchen. Herrliche Vorstellung, oder? Reklame macht das Unternehmen wieder in der lokalen und überregionalen Presse. Leider steigen die Preise, aber da auch keine Online-Shop’s das Preisgefüge kaputt machen, sind die schnell wieder amortisiert. Herrn Grupp würde es freuen.
Newsletter und Spieleseiten sind nicht relevant und störten zu 98% aller Fälle. Die restlichen 2% werden per Briefpost empfangen. Fertig.
Nachrichtenseiten sind da schon etwas grausamer. Jetzt erfährt man keine nebensächlichen Sachen mehr und noch weniger kann man darüber twittern. Allerdings versammelt sich die Familie wieder zum Abendessen und schaut die Nachrichten gemeinsam in der Küche. Dadurch werden die Essenszeiten auch wieder regelmäßig. In jedem wichtigen Büro wird ein Flachbildschirm aufgehängt und ntv, phoenix oder bloomberg läuft den ganzen Tag.
Der Wegfall von Recherchematerial wird besonders die internetaffinen Schüler ärgern. Nichts ist mehr mit den englischhausaufgaben aus dem Google-Übersetzer und der Vortrag in Sozialkunde kann auch nicht mehr aus Wikipedia geklaut werden. Eigene Worte werden wieder Gold wert und das Lexikon erlebt neue Verkaufszahlen.
Spam war sowieso so sinnlos wie Viagra gegen Lattenrost.
Danke, liebe Denic für diese Idee.
Aktuell haben wir dazu noch eine kleine Umfrage gestartet.
Einen angenehmen und internetfreien Himmelfahrtstag wünscht Ihnen
Die Redaktion
//O.F.
Foto: Quelle Denic
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