Mit offenen Augen
Geschrieben am: 22. Juni 2010 in Arbeitsmarkt, Bewerbungs-ABC
Schlagworte dieses Artikels: Aus der Praxis, Eigeninitiative, Initiativbewerbung, Jobsuche, Lokal, Regional
Sie suchen einen Job? Dann sind Sie damit nicht alleine. Viele Menschen suchen derzeitig nach neuen Perspektiven, Veränderungen von aktuellen (Job-)Situationen und fast alle sind auch auf der Suche nach mehr Lohn und Gehalt oder kürzeren Wegen zur Arbeit. Sie haben aber einen Schlüssel für die Jobsuche, den Sie viel zu selten benutzen. Ihre Augen. Wie? Lesen Sie diesen Beitrag.
Mit Initiative und offenen Augen zum neuen Job
Während die Medien einem teilweise den bereits begonnenen Aufschwung vorgaukeln, gleichzeitig aber immer öfter oder schon gleich im Nachsatz von Insolvenzen hier, Massenentlassungen da und nicht zuletzt auch von drohender Abwanderung von Unternehmen in Niedriglohnländern die Rede ist, kann einem die Suche nach einem neuen Job erst recht extrem schwierig vorkommen. Wer will einen denn schon haben, wenn alle in den höchsten Tönen jammern? Aber es gibt zahlreiche Jobs, die einfach an Ihnen vorbeifliegen, von denen Sie nichts mitbekommen.
Durch unsere Publikationen in den vergangenen Wochen, die neue Büroeröffnung, der neue Store und auch neue Webprojekte inspirierten wir offensichtlich andere Menschen und uns eben diese Menschen zu diesem Artikel. Menschen, die mit offenen Augen durch die Welt gehen und eines tun: Sie bewerben sich initiativ!
All die ganzen Möglichkeiten für die Jobsuche sind fast nichts gegen die Initiativbewerbung und diese ist im Durchschnitt deutlich effektiver. Was man dafür braucht? Ein Telefon, einen oder mehrere Sätze Bewerbungsunterlagen mit einem persönlichen aber feschem Anschreiben, offene Augen und vielleicht eine Tageskarte für den Bus.
Menschen ohne Job neigen oft dazu, in der Wohnung zu bleiben oder dies nur zu verlassen, wenn es unbedingt notwendig ist. Man vermeidet es nach Kräften, Vormittags in Einkaufszentren oder in Innenstädten gesehen zu werden und verpasst so unter Umständen wichtige Jobs. Ganz ehrlich: Man verpasst was. Neueröffnungen von Geschäften oder Unternehmen sind immer eine Gelegenheit wert, das Telefonbuch durchzublättern oder persönlich mit der Bewerbungsmappe in die Bauarbeiten zu platzen. Fragen Sie nach dem Bauleiter oder Geschäftsführer. Nur zu oft steht das Personalteam zu diesem Zeitpunkt noch nicht und auch zu oft gibt es kurzfristig Änderungen durch Ausfälle und Mehrbedarf. Chancen, die viele Jobsuchende durch Inaktivität verpassen. Diese kurzfristigen Änderungen können Ihre Chance sein, wieder in einen Job zu kommen. Genauso, wie die Anruferin vom Vormittag, die sich noch am Nachmittag heute persönlich vorstellte und vom Fleck weg überzeugte.
Selbst, wenn bei einer Anstellung gesagt und schriftlich festgehalten wird, dass es sich nur um die Eröffnungsphase handelt, besteht dabei immer die Chance, doch länger zu bleiben. Zeit, in der Sie in der Praxis überzeugen können und müssen. Oft werden solche Angebote aber auch von Jobsuchenden gar nicht angenommen, da die Rennerei mit dem Arbeitsamt und die Abmeldung/Neuanmeldung einfach zuviel Arbeit bedeutet. Ein grober Fehler, der täglich deutschlandweit gemacht wird. Niemand will mit dem Arbeitsamt zu tun haben, also bewirbt man sich schon mal gar nicht auf befristete Jobs um sich einen Gang zum Arbeitsamt zu sparen.
Als Fast-Schweden und mit jahrelanger Erfahrung auf dem Arbeitsmarkt dort, finden wir das skandinavische Kurzzeitjob-Prinzip als Vergleich doch bemerkenswert. Man wechselt dort aus einer Festanstellung recht selten, wenn man sie denn hat, aber oft muss man eben auch befristete Jobs annehmen. Dies gilt nicht nur für Studenten. Diese permanente Hangelei über Monate bei verschiedenen Arbeitgebern geht allerdings dort recht reibungslos. Es kommt dort auch oft vor, dass man spätestens bei der 2. befristeten Anstellung bleiben kann. Dann hat man und alles ist wieder für eine Weile Prima. Ein Prinzip übrigens, was in Deutschland durch die Einführung der 400,-€ und 160,-€ Euro jobs mehr als schlecht kopiert wurde. Denn auch während der befristeten Anstellung in Schweden gilt Tariflohn. Am Preis wird nicht geschraubt. Gute Arbeit wird bezahlt. Gut bezahlt. So wie es sein soll.
Fahren Sie doch mal durch Ihre Stadt, schauen Sie genau in die Schaufenster. Oft sind es die kleinen Zettel an der Tür, die nur wenige Stunden hängen und eine neue Karriere sein könnten. Oft sind es auch die Schilder “Hier eröffnet…” oder “Hier entsteht in Kürze….” . Fragen Sie nach. Trauen Sie sich und gehen Sie offen auf diejenigen zu, die dort schon werkeln und etwas aufbauen. Diese Offenheit und auch die Feststellung, dass gerade Sie mit offenen Augen durch die Welt gehen, wird ihnen einen großen Pluspunkt verschaffen. Wenn dann noch die Unterlagen passen, steht einer Anstellung, wenn auch vielleicht nur befristet, nichts mehr im Wege.
Versuchen Sie es, meint
Die Redaktion
//O.F.
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