Soziales Engagement – auch gut für die Karriere?
Geschrieben am: 3. November 2008 in Karrieretipps
Schlagworte dieses Artikels: Karriere, Kompetenz, sozialkompetenz, spenden
Eine TV-Sendung macht im Augenblick große Schlagzeilen. Die Sendung “Geheime Helfer” des Privatsenders Sat1 zeigt, wie engagiert Menschen in sozialen Brennpunkten verschiedener Städte arbeiten und wie Menschen mit überdurchschnittlichem Einkommen in diesem Milieu helfen wollen. Wir haben uns die bereits laufende Staffel angesehen und uns eine Meinung gebildet.
Geheime Helfer oder Was Sie für andere tun können.
Vorwort: Es ist eine Schande. Eine Schande, dass es in einem der wirtschafltich stärksten Länder der Welt Armut geben muss. Eine Schande, dass die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter aufgeht und dass es Suppenküchen, Tafeln und Jugendfreizeitzentren nur durch private Initiative gibt.
Es ist ein Segen, dass es Menschen gibt, die sich dieser Tatsache bewusst sind und diese Institutionen unterstützen. Unser Dank gilt an dieser Stelle allen, die obige Vereine mit aller zur Verfügung stehender Kraft unterstützen.
Der Beitrag:
In Zeiten, in denen die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter geöffnet ist und sich dabei auch in einer wirtschaftlichen Supermacht wie Deutschland auch immer öfter die Schattenseiten des Erfolges zeigen, glauben viele Menschen, dass man dagegen kaum was tun kan.
Die Sat1-Sendung “Geheime Helfer” zeigt in der 1. Staffel 8 erfolgreiche Unternehmer, die sich in sozialen Brennpunkten anonym als Hartz-IV-Empfänger an verschiedenen Sozialprojekten beteiligen und diese nach einem “Test” mit Geld oder Sachmitteln unterstützen. Hilfe, die ankommt und Hilfe, die dringend gebraucht wird. Beteiligt sind Unternehmer aus verschiedensten Altersklassen und unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen, die mehr als das übliche verdienen und mit dem sozialen Einsatz helfen wollen.
Aber Bedarf es in Deutschland tatsächlich solcher Sendungen, damit sich was bewegt?
Ist es nur noch durch diese Formate (auch mit einbezogen “Helfer mit Herz”, “Haus im Glück”, etc) möglich, Menschen auf die Bedürftigkeit anderer hinzuweisen?
Es geht auf Weihnachten zu und in wenigen Tagen werden wir wieder von den ersten Spendenmaratons, Red-Nose-Days und anderen Galas überhäuft. Klar, Weihnachten ist noch so ziemlich das einzige Fest, wo auf Misstände und Bedürftigkeit hingewiesen werden kann. Mit dem kirchlichen Hintergrund fühlt man sich dann doch mehr an seiner Ehre gepackt und ist bereitwilliger, wenn es darum geht irgendetwas locker zu machen.
Aber muss oder kann das wirklich nur zu dieser Zeit sein?
Wer sich fragt, was das ganze jetzt mit Karriere zu tun hat, hat unser vollstes Verständnis.
Aber wir hörten schon vor einiger Zeit durch den Kontakt mit verschiedenen Arbeitgebern, dass diese teilweise schon ab und an mal danach fragen, wie Bewerber sich sozial engagieren oder den Hinweis auf so ein soziales Engagement wohlwollend registrieren.
Auch Bewerber, die dieses im Lebenslauf festhalten wirken immer interessanter und haben doch schon einen kleinen Bonus bei der Auswahl zum Vorstellungsgespräch. Sicher. Hard-Skills zählen hier immernoch viel mehr und “Karriere ist kein Wattepusten!” aber so langsam aber sicher kommen Arbeitgeber und Personaler darauf, auch auf soziales Engagement der Mitarbeiter zu achten. Dies ist gerne auch ein kurzes Gesprächsthema beim Vorstellungsgespräch wert und kann Bonuspunkte verschaffen.
Aus unseren skandinavischen Blogs wissen wir, dass sich Arbeitgeber schon darum kümmern, wie sehr sich Mitarbeiter an sozialen Projetken engagieren. Die Möglichkeiten sind auch dort vielfältig und bieten Raum für Experimente. Nicht falsch verstehen. Schweden ist auch kapitalistisch und Norwegen auch, aber soziales Engagement spielt dort bereits eine viel größere Rolle.
Es gibt hunderte Unternehmen in Deutschland, die viel in Sozialprojekte investieren. Einige hängen das bevorzugt an die große Glocke und anderen reicht ein Schild und wieder anderen reicht es, es einfach gemacht zu haben weil es einfach nötig war.
Tun Sie was für soziale Projekte?
Wenn ja, schön. Danke. Machen Sie weiter so.
Wenn nein, warum nicht? Keine Zeit? Keine Lust? Kein Interesse?
Karriere bedeutet auch Sozialkompetenz. Die Verantwortung nicht nur für ein Unternehmen sondern auch für Menschen zu übernehmen und nicht zuletzt auch für Menschen, die mit dem Unternehmen ansich nichts zu tun haben.
Es gibt verschiedene Arten, sich selbst einzubringen. Der weihnachtliche Spendenanruf für 5,-€ reicht da bei weitem nicht aus, dies als Spendenaktion oder Engagement zu deklarieren! Das ist nichteinmal ein Tropfen auf den heißen Stein. Das ist gar nichts.
Schauen Sie sich vielleicht mal um. Einfach in Ihrer Umgebung. Gibt es einen öffentlichen Spielplatz oder einen privaten. Fehlen Spielgeräte? Finden Sie heraus, wer dafür zuständig ist und schauen Sie mal im Internet, ob Sie sich nicht ein Spielgerät leisten könnten, was dort installiert werden könnte. So teuer sind die gar nicht. Sprechen Sie vorher mit dem Eigentümer. Vielleicht hat der auch noch Geld übrig und man könnte den Spielplatz gleich mit zwei Attraktionen verbessern und vielleicht Lieferrabatt bekommen. Oder der Jugendclub um die Ecke? Vielleicht haben die eine gute Idee aber keine Möglichkeit. Vielleicht fehlen hier auch nur ein, zwei neue Möbel? Die kosten auch nicht die Welt. Damit helfen Sie wirklich. Wie sieht es denn in den Schulen und Kindergärten Ihrer Kinder aus? Hier wird oft die kommunale Verantwortung vorgeschoben und nicht zuletzt die, der Politik. Aber die Betriebskosten einer Kindertagesstätte werden auch durch Ihren Beitrag für Ihr Kind kaum gedeckt. Manchmal tut es hier auch eine Sachspende in Form von kindgerechtem Spielzeug.
Ihr 5,-€ Spendenanruf beruhigt Ihr Gewissen vielleicht etwas und hilft eventuell auch Kindern in Afrika oder Asien. Aber wenn die Probleme vor der Haustür liegen, sollte man sich langsam mal fragen, ob für die Probleme in der Welt nicht eventuell andere zuständig sind. Es gibt auch in Deutschland viel zu tun. Der Ruck, den Herr von Weizsäcker durch Deutschland gehen sehen wollte, ist im sozialen Bereich ziemlich verpufft.
Die Sendung des Privatsenders ist nicht schlecht gemacht und zeigt deutliche und versteckte Lücken im System. Für unseren Geschmack als Sendung an sich, gut gemacht. Schade nur, dass es nötig ist, solche Sendungen in Deutschland überhaupt produzieren zu müssen.
Link zur Sendung bzw. zur Homepage von Sat1
Nachtrag: Als wir , die 4 Redakteure dieses Blogs, uns im Frühjahr 2008 zusammengeschlossen haben um verschiedene Wirtschafts- und Karriereblogs zu erstellen, haben wir von Anfang an entschieden, diese Arbeit auch zu einem großen Teil unter ein soziales Licht zu stellen. Wir sammeln, nicht nur zu Weihnachten, Spielzeug oder Geld in verschiedensten Aufrufen und stellen diese dann entsprechenden Sozialvereinen zur Verfügung. Wir geben keine Sachen an Organisationen, die diese (wenn auch vergünstigt) weiterverkaufen. Es wird direkt, meist über die Tafeln, verteilt. Einnahmen aus Werbebannern dieses oder der anderen Blogs wird auch dahingehend verwendet, mal im Supermarkt einen ganzen Sonderpostenkorb zu kaufen um den dann, so wie er ist, an geeigneter Stelle wieder abzuladen. Da wir in verschiedenen Städten in Deutschland und Schweden ansässig sind, erreichen wir viele Menschen. Auch mit kleinem Budget und wir haben immernoch das Gefühl, deutlich zu wenig zu tun.
Leider. Aber kann man wirklich genug tun?
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