Spaß im Job – Klartext im Vorstellungsgespräch
Geschrieben am: 30. April 2010 in Spaß im Job
Schlagworte dieses Artikels: Bewerbung, Satire, Spass im Job, Tipps, Vorstellungsgespräch
Warum haben Sie sich hier beworben? Was ist Ihre Motivation und wie können Sie unserem Unternehmen nützlich sein? Fragen, die jeder Bewerber im Vorstellungsgespräch gestellt bekommt. Doch die Realität weicht von den gegebenen Antworten doch reichlich ab. Ein neuer Artikel für unseren Bereich Spaß im Job spielt ein Vorstellungsgespräch mal im Klartext durch.
Was Bewerber wirklich im Vorstellungsgespräch denken.
Den nachfolgenden Artikel für den Bereich “Spaß im Job” hatten wir innerhalb unseres Backends dieses Blogs schon lange in der Schublade. Zeit für die Vollendung.
Ein Freund von uns und Geschäftsführer eines größeren Hausbauunternehmens führt seine Vorstellungsgespräche übrigens alle auf die ehrliche Art und Weise – mit allen Bewerbern. Klartext. Großes Bla-Bla und Schmeichelbrei fällt da voll aus. Allerdings sind die Angestellten da auch nicht gerade studierte Fachkräfte. Aber schließlich wissen beide worum es geht. Ein Job. Einer hat ihn, der andere braucht ihn.
Gedachtes haben wir mal in Klammern gesetzt.
Personaler: Sie haben sich bei uns beworben. Warum?
Bewerber: Ich suche eine neue Herausforderung, will zurück ins Berufsleben, Geld verdienen etc.
(Sie haben doch inseriert. Außerdem bin ich schon lange (ewig) arbeitslos, das Arbeitsamt hat mir die Stelle geschickt und Sie suchen einen Mitarbeiter. Bewerbe ich mich nicht, werde ich gesperrt oder Sie schicken die Unterlagen zurück mit einem Vermerk, der mich in das nächste Bewerbungstraining jagt. Davon hatte ich schon drei und darauf habe ich gerade mal gar keinen Bock. Also habe ich mich beworben. Falls es mit dem Job klappt bin ich das Assi-Amt dann endlich wieder los.)
Personaler: Was wissen Sie über unser Unternehmen?
Bewerber: Nur das, was auf Ihrer Webseite steht (die im übrigen besch… ist). Soll ich das jetzt aufsagen, was da steht? Kennen Sie doch alles.
(Das was ich sonst noch so über Sie gehört habe, wie besch.. die Firma ist und dass Sie keinen oder unregelmäßig Lohn zahlen, sag ich Ihnen nicht, sonst muss ich gleich gehen.)
Personaler: Ich erzähle Ihnen zuerst einmal etwas über unser Unternehmen und was wir hier machen und worum es in der Stelle geht.
Bewerber: Ja gerne.
(Vielleicht hab ich ja was übersehen und Sie wollen mir erzählen, dass Sie in der Stellenausschreibung gnadenlos übertrieben haben. Aber bitte, nur zu. Das schafft Zeit.)
Personaler: Sie sind ausgebildet als….? Haben Sie weitere Vorzüge, die Sie für diese Stelle besonders Qualifizieren?
Bewerber: Erzählt seinen beruflichen Werdegang.
(Sie haben doch einen Lebenslauf von mir vorliegen. Da steht, dass ich die und die Ausbildung und Zusatzqualifikation habe. Alle Zertifikate sind gültig. Wenn Sie so fragen, natürlich könnte ich die ganze Firma alleine schmeißen. Ich weiß worum es geht und was ich zu machen habe. Ich brauch keine große Einführungsrunde.)
Personaler: Wo wollen Sie hin, was wollen Sie noch alles erreichen?
Bewerber: Karriere machen. Führungstätigkeiten übernehmen. Standardfloskeln je nach Unternehmen.
(Am liebsten aber ganz weit weg hier. Meine Zeit ist wertvoll und ich hab noch viel zu tun. Und eigentlich würde ich viel lieber eine eigene Firma aufmachen und mein eigenes Ding durchziehen.)
Personaler: Ihr letztes Arbeitsverhältnis liegt schon länger zurück. Was haben Sie in der Zwischenzeit gemacht?
Bewerber: Ich habe mich bei verschiedensten Unternehmen in der Branche beworben und Praktikas und Trainingsmaßnahmen absolviert. – Alternativ Elternzeit oder wahlweise anderes.
(Sicher ist der Lebenslauf von vorne bis hinten hingemogelt. Hier gibt’s in der Branche keine freien Jobs. Ich habe mein eigenes Süppchen gekocht. Das wissen Sie doch. Wieviele Bewerbungsmappen liegen denn da auf den Tisch? Machen Sie die Augen auf. 200 Bewerbungen auf eine Stelle ist doch normal hier. )
Personaler:Inwieweit sind Sie fachlich Up-to-date?
Bewerber: Ich habe mich privat über das Internet über Neuigkeiten der Branche weitergebildet.
(Denkste. Ich brauche doch nicht ewig um wieder reinzukommen. Ihr arbeitet doch noch genauso wie vor 20 Jahren. Viel neues gibt es nicht. Ein paar Tage, dann wäre ich wieder der Obermacker hier. Ein Blick auf die Rechnersoftware reicht schon. Sieht verdammt nach dos-basierend aus.)
Personaler: Könnten Sie sich vorstellen, ein Praktikum / Trainingsmaßnahme bei uns zu absolvieren?
Bewerber: Ja, gerne. Dann kann ich schon in das Unternehmen reinschnuppern und die Abläufe kennenlernen.
(Ach, da läuft der Hase. Ihr wollt den Auftrag schnell und so billig wie möglich abgearbeitet haben oder Ihr erstickt in unerledigten Sachen, dass Ihr einen Prakti braucht, der das ungeliebte Zeug macht. Assifirma. Nach dem Praktikum krieg ich dann ein Dankschreiben und keinen Job. Da reiße ich mir für lau den Allerwertesten auf. Hatte ich doch schon x-mal.)
Personaler:Wo liegen Ihre Gehaltsvorstellungen? Was wollen Sie verdienen?
Bewerber: Ich orientiere mich an Ihrem tariflichen Angebot. Oder so ähnlich.
(Eigentlich so 20.000 Euro im Monat, einen Parkplatz neben dem Haupteingang, einen Firmenwagen, eine Sekretärin für die lästige Schreibarbeit und im Prinzip möchte ich auch das verdienen, was ich Wert bin. Nur leider liegt das entschieden über Ihrem Angebot. Sicher holen Sie sich noch für mich Fördermittel vom Arbeitsamt und lassen hinterher den Super-Sozialen-Schreihals raus. Ich erwarte von Ihnen gar nichts.)
Personaler:Dann verbleiben wir soweit. Wir melden uns bei Ihnen, wenn die Bewerberauswahl fortgeschritten ist.
Bewerber: Ja, gerne. Ich freue mich darauf, wenn ich für Sie tätig werden kann.
(Wieder umsonst 400 km durch die Gegend gefahren. Der meldet sich eh nicht wieder. Meine Unterlagen sind wahrscheinlich noch vor mir zu Hause. Hoffentlich senden die die Bewerbungsmappe wieder zurück, damit die nochmals verwendet werden kann. Welch ein Glück, dass das Arbeitsamt die Kosten übernommen hat. )
Oder, wie denken Sie?
Einen spannenden Freitag wünscht Ihnen
Die Redaktion
//F.W.
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