Studie: Armut wird auch im Osten vererbt
Geschrieben am: 3. März 2009 in Allgemein, Arge & Hartz IV
Schlagworte dieses Artikels: Arbeitslosigkeit, Armut, Deutschland, Kinderarmut, Mecklenburg-Vorpommern, Soziale Randgruppe
Armut vererbt sich über Generationen. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Ursprünglich mal in Entwicklungsländern Afrikas und in Südamerika festgestellt, gelang diese Feststellung allerdings auch in hochtechnisierten Wirtschaftsländern in Europa. Nun ist diese Phänomen auch im Osten Deutschlands angekommen.
Eltern arm = Kinder arm
Das es Kinderarmut in Deutschland gibt und jedes vierte Kind Unterstützende Leistungen vom Staat erhält ist schon länger kein Geheimnis mehr. Bislang galt dies auch für alle Bundesländer. Nunmehr ist die “Wende” 20 Jahre her und die Forscher stellten eine weitere Gemeinsamkeit fest, die Deutschland allerdings nicht zu Ruhm und Ehre gereicht.
Armut wird, einer Studie des Holon.ev Königs Wusterhausen (Brandenburg) zufolge, jetzt auch im Osten vererbt. Das bisher aus den alten Bundesländern (ich hasse das Wort) bekannte Phänomen sei jetzt auch im Osten (ich hasse das Wort) angekommen. Auftraggeber der Studie war übrigens das Kommunalpolitische Forum der Partei Die Linke.
Den Machern der Studie zufolge haben knapp die Hälfte der Familien in materieller Armut im Land auch soziale Probleme, wie Bildungsferne, Verschuldung und Alkoholmißbrauch oder wenigstens erhöhten Konsum. In dieser Gruppe sei die Gefahr groß, dass auch die Kinder so werden wie die Erwachsenen es jetzt sind. Durch die Vorbidfunktion der Eltern, bzw. der hier dargestellten nicht vorhandenen oder schlechten Vorbildfunktion bestünde ein hohes Risiko, sich die nächste Generation auch gleich als soziale Randgruppe heranzuziehen.
Für Repräsentativ halte ich die Studie persönlich nicht, denn es wurden vor einem Jahr in Mecklenburg-Vorpommern, einem Flächenland mit Ecken von real teilweise bis zu 30%iger Arbeitslosigkeit (ja, die offiziellen Zahlen sehen anders aus, das weiß ich auch.) ungefähr geradeeinmal 64 Personen befragt. Davon 35 Eltern und 29 Experten aus Kitas und Sozialeinrichtungen. Wenn man gleichzeitig die private (und damit weitgehend auch die berufliche Meinung beeinflussende) Meinung solcher “Experten” kennt, die da lautet: O-Ton “Die Kinder werden immer wie die Eltern.” und “Da können wir gar nichts machen, das ist halt so.” oder gar “Da können Sie sich als Pflegemutter anstrengen wie Sie wollen, mit 18 bekommt Ihr Pflegekind eine betreute Wohnung oder eine Eigene, die das Amt bezahlt.” oder auch “Auch wenn die Kindheit des Pflegekindes extrem schlecht war und es diesem bei Ihnen deutlich besser geht, dürfen wir den Kontakt zu den Eltern nicht einschränken. Es muss ein ständiger familiärer Bezug zur Familie und zum sozialen Status des Elterlichen Umfeldes bestehen.”, dann ist man wahrlich nicht mehr verwundert, dass Studien solche Ergebnisse liefern.
Letztlich bleibt das Ergebnis doch ein politischer Skandal. Nur in einer Gesellschaft und in einem politischen Klima, wo Armut und soziale Bedürftigkeit nicht als selbst verschuldet angesehen wird, können nachhaltig sinnvolle Konzepte entwickelt werden, die dies langfristig erfolgreich ändern.
In Mecklenburg-Vorpommern leben, aktuellen Angaben zufolge, 56.000 Kinder in Armut. Das sind umgerechnet derzeitig mehr als 32%. Das Sozialministerium Mecklenburg-Vorpommerns lässt übrigens derzeitig die Kinderarmut im Norddeutschen Bundesland durch die Basler Prognos AG erforschen. Wenn sich die Bundesländer nicht automatisch den Sozialfall-Nachwuchs heranziehen sollen sind Konzepte notwendig, die vor allem auf dem Arbeitsmarkt Veränderungen bringen.
Die Binsenweisheit: “Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied” ist zwar gültiger denn je, doch benötigen viele Jugendliche gerade jetzt den Anstoß, ein Schmied zu werden.
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