Vollbremsung im Arbeitsmarkt? Wie schlimm wird es wirklich?
Geschrieben am: 12. November 2008 in Arbeitsmarkt, Jobpraxis
Schlagworte dieses Artikels: Arbeitslosenzahlen, Arbeitslosigkeit, Arbeitsmarkt, Deutschland, Prognose, Trends
Wir hatten ja gestern in einem Beitrag geschrieben, dass wir etwas herumtelefonieren wollen um herauszubekommen, wie Personaler aus Unternehmen und aus den Reihen der Zeitarbeit die Lage so einschätzen und was die Zukunft in den nächsten 3 bis 6 Monaten bringen wird. Das Ergebnis war von verwunderlich bis ernüchternd. Der Telefonmarathon durch Europa.
Was bringen die nächsten Monate dem Arbeitsmarkt?
Wie schätzen Personaler die Situation durch die Absatz- und Umsatzflauten in der Industrie ein? Was werden uns die nächsten Monate bescheren, von Weihnachten mal abgesehen? Wir haben nachgefragt und befreundete Personaler in Deutschland, Österreich, Norwegen, Schweden und der Schweiz gefragt.
Es hat schon eine Zeit gedauert, die richtigen Leute zur richtigen Zeit an die Strippe zu bekommen. Am leichtesten hatten wir es bei unserem Hotel- und Gastrospezialisten in der Schweiz. Die Kurzfassung des Gespräches: “Grüz Sie. Alles super hier. Finanzschwäche trifft den Tourismus nur wenig und in meinem Bereich habe ich immer Bedarf an Fachkräften für Hotels und Gastronomie. Kennen Sie jemanden, der in der Schweiz arbeiten will? Wir suchen immer tüchtige Leute.”
Ach ich liebe schweizer Dialekt. Schön langsam und so schön gerollt. Einfach herrlich und die Aussagen treffen nicht unsere Schwarzmalerei. Das gefiel mir dabei besonders. Da wir auch in Österreich einen Gastronomiespezi kennen überraschte uns die Antwort von der anderen Seite der Alpen auch nicht. Es klang durchweg identisch. Nur suchen die jetzt nicht so offensiv. Aber auch dort sieht der Tourismus noch gut aus. Innerhalb der Industrie scheint es schon etwas zu treffen aber die Struktur ist in Österreich ja nicht von Großindustrie geprägt, so dass dort zwar eine leichte Delle bemerkt werde, aber diese noch gut zu händeln sei.
Euphorisch und (fast wie immer) arrogant kamen uns die Personaler in Schweden daher. “Wir merken es, aber Schweden ist stabil und gut aufgestellt, dass wir schwächelnde Bereiche in der Personalvermittlung mit anderen Aufgaben abdeckeln können und im Winter ist in Schweden eh nicht viel los, das weißt Du ja.” Die Presse schreibt in Schweden etwas anders. Wir lesen das täglich aber die Meinung der Personaler stützt sich auf die eingefahrenen Strukturen und gibt so kaum Rückschlüsse frei. Aus privatem Umfeld ist uns aber bekannt, dass auch so ziemlich jeder 4. um seinen Job über Winter bangen muss.
Ganz verwundert war ich ja nun über die deutschen Personaldienstleister und Unternehmer. Während die Personaldienstleistungen in Hamburg, München und im bergischen Land von deutlichen “Schick Deine Unterlagen gerade jetzt nicht unbedingt” klangen, gab es von einer Zeitarbeitsagentur und einem Unternehmer in Mecklenburg Vorpommern Töne wie aus Schweden. “Finanzkrise? Alles Quatsch. Wir haben genug zu tun. Einstellen? Nein, zur Zeit nicht. Die Leute machen Überstunden. Man weiß ja nicht, was noch kommt. Zur Zeit triffts uns ja auch noch.”(???????) Tja, ich weiß da jetzt auch nicht so recht. Da hatte ich das Gefühl, dass manche schon satt sind. So verschieden ist die Welt. Während die einen deutlich Leid klagen und kundtun, dass man mit dem auskommen muss was man hat, tun die anderen wie wild und besessen. Nur hätte ich jetzt die jeweils andere Seite vermutet. Man lernt nicht aus. Eine Zeitarbeitskette sprach sogar davon die nächsten Monate den Ausbau des eigenen Filialnetzes voranzutreiben. So verschieden kann es sein.
Also brachte das auch nicht wirklich die Praxiserleuchtung. Zum einen waren die Branchen zu verschieden und zum anderen wird einem, auch wenn man sich kennt, ja keine Betriebsinterna erzählt. Aufschluss gaben einige Äußerungen aus dem IT-Bereich und im Vertriebssektor, die deutlich wenigstens von Einstellungsstopp sprachen. Wir werden wohl abwarten müssen, was da passiert.
Übrigens hat uns das 4 Stunden und geradeeinmal 6,85 an Telefongebühren gekostet. Gut was?
Ich möchte aber an dieser Stelle noch darauf hinweisen, dass sich meine Umfrage unter 20 befreundeten Personalern und Consultern keineswegs als Repräsentativ darstellt. (Nur damit sich nicht wieder irgendwer aufregt.)
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