Vorgestellt: manomama – Sina Trinkwalder
Geschrieben am: 20. April 2010 in Köpfe & Karrieren
Schlagworte dieses Artikels: Gründer, Karriere, manomama, Ökologische Bekleidung, Perspektiven, Unternehmensgründung
Eine absolut neuartige Unternehmung zu gründen, etwas aus dem Nichts zu stampfen, Menschen zu begeistern und sich auf ökologische Produkte einzulassen, kostet viel Mut. Nochmehr kostet es Energie und Kraft, wenn man diese Produkte auch noch selbst produzieren möchte und das auch noch in Deutschland. Zu fairen Preisen für die Produkte und dabei auch noch mit einer sozialen Verantwortung auf der Fahne. Mit dem brandneuen Ökolabel “manomama” sorgt die Jung-Unternehmerin Sina Trinkwalder bereits seit einiger Zeit für Furore. Wir sprachen mit der Gründerin über Motivation, Ziele und das Unternehmen manomama.
manomama – Besser für alle

Sina Trinkwalder
“Öko-soziale Bekleidung nach Ihren Wünschen” ist Slogan 2 des manomama Projektes (oder besser – des wachsenden Unternehmens) und in vielen Augen eigentlich die Nr. 1. Denn wenn etwas Öko-sozial ist, dann ist es besser für alle. So soll es jedenfalls sein und seit einiger Zeit macht Sina Trinkwalder reichlich Wirbel im Netz und im Real-Live für Ihr manomama-Projekt. Zufällig stolperten wir vor einigen Monaten über den Account bei Twitter und kamen so auch zur Firmenwebseite, dem Blog und den Hintergrundinfos. Interessiert schauten wir rein, nahmen Kontakt auf und für uns wurde die eigene Verpflichtung klar: DAS müssen wir im Bereich “Köpfe und Karrieren” vorstellen.
Wir sprachen mit der engagierten Gründerin Sina Trinkwalder
Jung-Unternehmerin mit Mitte 30 – Beste Zeit zum Gründen?
Beste zweite Zeit zum Gründen. Mit 21 habe ich meine erste GmbH gegründet: eine Werbeagentur, die mittlerweile rund 15 Mitarbeiter und internationale Kunden von Augsburg bis nach Singapur betreut.
Wie helfen oder besser halfen Ihnen die Erfahrungen aus früheren Jobs bei der Gründung?
Jetzt, mit 32, stehe ich wieder am Anfang. Riesen Vorteil: jahrelange unternehmerische Erfahrung kann ich mitbringen. Was hingegen genauso ist wie damals: ich habe ein Unternehmen gegründet in einer Branche, die ich nicht kenne. Ich lasse mich daher erneut überraschen.
Wie groß ist das Team von manomama derzeitig?
Jeder ist ein Teil von manomama, ob tatkräftig vor Ort oder unterstützend in der Kommunikation und Empfehlung innerhalb des Social Webs. Kernteam in Produktion, Kommunikation und Vertrieb sind wir zum heutigen Zeitpunkt 19 Menschen.
Ökologische Textilien und soziale Verantwortung gegenüber der Umwelt und denen, die die Ware herstellen. Ein Leitspruch von manomama. Wie wird dies umgesetzt?
Konsequent, von A – Zett. Wir beziehen unsere Waren stets vom nächstmöglichen Punkt, einen Großteil innerhalb von 250 Kilometer um unseren Standort. Alle Rohwaren sind ökologisch. So schonen wir Umwelt und gleichsam die Menschen. Jene, die unsere Produkte herstellen und alle, die sie tragen. Wir zahlen unsere Näher/innen leistungsgerechte 12 Euro Stundenlohn, ein Gehalt, wovon man leben kann. Unser Leitspruch ist: Besser für alle. Das leben wird.
Produkte “Made in Germany” haben einen hohen Stellenwert bei Kunden. Ökologisch und sozial einwandfrei produzierte Ware auch. Lässt sich das beim Verdrängungswettbewerb überhaupt realisieren?
Ja, wenn man sich und seinen Idealen treu bleibt. Keine Kompromisse eingeht nur des Umsatzes wegen. Dann denke ich, können wir es schaffen.
Manomama kommt aus Augsurg. Ein alter deutscher Textilstandort, der durch Outsourcing in die Dritte Welt viel Kraft und Potential verloren hat. Manomama will von Färberei bis Produktion alles am heimischen Standort machen. Eine Wiederbelebung alter Traditionen in Augsburg?
Augsburg war einmal pochendes Herz der textilen Branche. An diese Tradition anzuknüpfen und vielen ehemals in der Branche Beschäftigten wieder sinnvolle Arbeit zu schaffen, das ist unser Ziel.
Wo liegen aktuell die Fern- und Nahziele von manomama?
Das ist eine typische BWLer-Frage, die sich so nicht beantworten möchte. Wir haben ein Ziel, egal ob fern oder nah: wir möchten Arbeitsplätze für Benachteiligte schaffen und hochwertige, gesunde Bekleidung herstellen. Heute, morgen und in 20 Jahren. Natürlich muss sich manomama auch irgendwann einmal tragen. Da es aber mein Kapital ist, haben wir keinen Zwang, Banken zu bedienen. Ja, wir haben ebenso keinen Businessplan. Mut und Menschenverstand wird reichen. Da bin ich mir ganz sicher.
Wie wichtig sind Onlinemedien wie Twitter oder Facebook für das Marketing?
Es ist derzeit unser einziger Kommunikationskanal und wird auch in Zukunft stärktes Augenmerk genießen. Wir möchten nicht werben. manomama soll empfohlen werden.
Und für den Vertrieb?
Hier sind es unsere Manomamas. Sie sind das mobile Herz von manomama und gleichzeitig unsere persönliche Kommunikation vor Ort.
Kundengewinnung und Kundenbindung – Wie löst das manomama-Start-up das Problem?
Das ist kein Problem, viele Unternehmen machen sich es nur zu einem. Wir hören auf unsere Kunden und binden sie in alle Prozesse mit ein. Wirt kommunizieren 100%tig offen und ehrlich und geben Mißerfolge wie Erfolge zu. Diese Art der absoluten Transparenz ist unsere Definition von Kundenbindung.
Das “saubere Etikett” ist uns besonders aufgefallen. Was hat es damit auf sich?
Auf unseren Etiketten befinden sich nicht nur die per Gesetz erforderlichen Deklarationen. Unser sauberes Etikett schlüsselt alle Bestandteile im Einzelnen auf, ebenso die Färbemethode. So wissen unsere Kunden im Detail, was sie tragen. Da wir 100%tige Ökobekleidung herstellen, können wir dies. Viele Ökolabel nutzen ja konventionelle Fäden, Bänder etc. und würden damit natürlich mehr Fragen aufkommen lassen als Antworten geben.
Die Geschichte aus der Personalsuche haben wir hier kürzlich erwähnt. Wie gestaltet sich das Recruiting derzeitig?
Recruiting ist das hässlichste Wort, das ich kenne. Wir brauchen kein Anwerben. Die Idee, das Ideal, das hinter manomama steckt, verkörpern auch alle Mitarbeiter. Gerade in der Produktion nämlich kennen die Damen und Herren völlig andere Bedindungen wie Akkord und ähnliches.
Gibt es auch Ängste, die die Gründung und die Startphase begleiten?
Nein, denn ich habe keinen persönlichen Bezug zu meinem Kapital. Ein Journalist fragte mich vor einigen Tagen: “Was ist, wenn Ihr Kapital weg ist?” Ich antwortete: “Dann muss ich neues verdienen!”. Ich denke, diese Einstellung hilft mir vielmehr, manomama zum Erfolg zu führen.
Und natürlich die Gegenfrage. Besondere Erfolgserlebnisse?
Die Zeit wäre zu kurz, die vielen kleinen Erfolge aufzuzählen. Ob das Einstellen von Langzeitarbeitslosen, das Finden eines Öko-Garn-Herstellers, ach – dass wir schon so weit geommen sind, ist ein erster Erfolg. Dass innerhalb von 48 Stunden der Server unseres Onlineshops zum ersten Mal lahm gelegt wurde, ebenso einer. Für mich persönlich? Ich kann endlich diese hochkomplexe Cover-Stitch-Maschine ganz alleine einfädeln. Das ist mein persönlicher Erfolg.
Manomama spurtet los. Ein Besuch auf der Firmenhomepage http://manomama.de, dem Online-Shop oder bei den Infos für den manomama-Mitmachtreff lohnt auf jeden Fall und auch der hauseigenen Blog bietet spannende und informative Lektüre. Für uns schon jetzt das Start-Up des Jahres 2010.
Wir wünschen dabei ganz viel Erfolg, viele zufriedene Kunden.
Vielen Dank für das Interview.
//O.F.
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[...] wie ihr in vergangenen Blogposts schon gelesen habt, bei http://www.manomama.de, einer Firma gegründet von Sina Trinkwalder, die sich wohl auch solche Fragen gestellt hat, nach der Nachhaltigkeit, der ökologischen [...]