Warnung: Schlechte Chefs werden ausgestellt!
Geschrieben am: 18. März 2010 in Arbeitsmarkt, Führungskräfte
Schlagworte dieses Artikels: Führungskräfte, Netzwerke, SocialMedia
Früher sprach ein böser Mitarbeiter über Sie schlecht beim Essen, in der Kneipe mit Freunden oder bei Pausen im neuen Job. Heute spricht er schlecht über Sie im Netz, nutzt Twitter, Facebook & Co., schreibt in Foren und auf Seiten, die extra dafür gebaut wurden. Er verbreitet seine Kunde um ein vielfaches schneller und weiter, spricht dabei mehr Dritte Personen an, als Ihnen lieb ist und kann Ihrem Unternehmen damit richtig Schaden zufügen, noch bevor Sie es überhaupt merken. SocialMedia bringt Chefs und Führungskräfte in eine ganz neue Wirklichkeit. Doch niemand macht sich anscheinend Sorgen…
SocialNetwork – Gefahr für Führungskräfte und Unternehmen?
Ein Managermagazin machte kürzlich eine Schnellumfrage zu diesem Thema und kam zu erstaunlichen Ergebnissen:
- Gut 77% der befragten Führungskräfte machen sich keine Sorgen darüber, dass Sie mit Ihrer Rolle als LeiterIn oder Chef weit mehr in die Mitte des Medieninteresses rücken könnten, als früher. Nur 13% beantworten hier die Frage mit dem Ja, dass man darum wüsste und 10% hatten keine Ahnung, was damit gemeint war.
- Auf die Frage: “Sehen Sie Vorteile darin, dass Mitarbeiter Chefs und Führungskräfte im SocialNetwork härter und direkter beurteilen und diese Informationen in diesem Netzwerk teilen?”, antworteten ganze 36% mit Nein, das wäre ja illoyal, fast ebensoviele (31%) erklärten, dass es Vorteile habe, wenn es nicht unwahr ist und 20% meinten, dass solche Seiten nur die Hexenjagd auf Chefs erhöht. Aber es antworteten auch 13% mit “Ja, schlechte Chefs werden so aussortiert.”
- Fast einig sind sich die Führungskräfte allerdings bei der Frage, nach den größten Befürchtungen über die Nutzung der SocialNetworks im Beruf und privat. Hier waren mehrere Antworten gleichzeitig möglich und hier antworteten 75% mit der Befürchtung nach Produktivitätsverlust bei der Nutzung während der Arbeitszeit, 51% sehen ein Sicherheitsrisiko durch die Freigabe für die Netzwerknutzung über das Internet und 27% befürchten sogar, dass Geschäftsinformationen und Geschäftsgeheimnisse schnell verbreitet würden.
- Etwas unwissend stellten sich die Teilnehmer der Umfrage bei der Frage: “Fühlen Sie sich Up-To-Date und angepasst heutzutage als Chef mit den SocialMedia-Trend und der neuen Technik?” Hier sagten 68% klar Nein, 22% meinten, sie wüssten worum es geht und sind angepasst und 10% wussten darauf keine Antwort.
Fakt:
Als Führungskraft stehen Sie permanent im Blickpunkt Ihrer Mitarbeiter. Schon ein Disput kann schnell öffentlich geführt werden. Auch wenn Sie es nicht sofort bemerken, kann ein Mitarbeiter Postings und Statusmeldungen ablassen, die nicht nur Ihnen als Führungskraft, sondern auch dem ganzen Unternehmen ernsthaften Schaden in den Medien zuführen können. Je nach Interesse der Öffentlichkeit kann es eine Weile dauern oder eben auch sofort in die Medien gehen. Jede Ihrer Äußerungen kann (und wird) gegen Sie verwendet werden.
Eine sehr unterschätzte Gefahr, wie sich schon vielfach zeigte.
In diesem Winter schlug Facebook, als SocialMedia-Flaggschiff die Grenze von 400 Millionen Nutzern. Gut. Man muss jetzt nicht befürchten, dass sich ein Facebooknutzer mit allen Usern verknüpft, aber während der eigene Freundeskreis geradeeinmal 7 Personen beträgt können es im Netz schnell mal 500 werden. Diese lesen Statusupdates und Postings in ihrer Timeline, ohne denjenigen wirklich direkt zu kennen.
Ein Twitter-Account ist schnell angelegt und mit den richtigen Hashtags kann man schon ganz schnell viele Menschen erreichen. Den ultimativen Newbie-Guide als Anleitung für Anfänger auf Twitter gibt es hier. Er zeigt eindeutig, wie schnell man Netzwerke aufbaut und sinnvoll oder eben sinnfrei Sachen ins Netz posten kann.
Und eines sollte man dabei niemals vergessen: Suchmaschinen sind überall und das Internet vergisst nichts.
Beispiel:
Stellen Sie sich folgende Situation vor: Ein Mitarbeiter bittet wiederholt um einen Gesprächstermin. Sie haben bereits mehrere Gespräche aus Zeitgründen abgesagt. Sie müssen kurzzeitig dringend weg und nehmen die Sekretärin oder Ihre Assistentin mit.
Was kommt? Sie ahnen es. Ein böser uns inzwischen wütender Mitarbeiter schreibt beispielsweise Tweets auf Twitter.
“#Chef hat wieder #Gehaltsverhandlung abgesagt. Hat wohl kein #Geld. #stupid #Idiot #IhreFirma”
Tweet zwei:
“#Chef hat die Assistentin mit. Sind wohl wieder in ein Hotel. Seinen #Job möchte ich haben. #IhreFirma”
Tweet drei:
“#IhrNachname macht ständig blau. Das nennt sich #Chef. Man hätte ich nur studiert.
#Job #Arbeit #IhrStadtname”
Diese Tweets gehen nicht nur an seine X-Follower bei Twitter, sondern durch den Hashtag mit der Raute vor dem Buchstaben auch ganz schnell in die Suchlisten bei Twitter. Hier agieren auch Suchroboter von Google & Co und schnell finden Sie diese Tags auch in den Suchmaschinenrankings nach Ihrem Firmennamen. Twitter gibt – noch – die Möglichkeit von Fake-Accounts und hat die Accountverifizierung nur in den USA und England eingeführt. Also klappt das auch mit einem ganz neuen Account und der ist in weniger als 3 Minuten angelegt. Sogar vom Mobiltelefon aus. Eine weitere Gefahr sind die Follower des Twitterers. Diese könnten diese Nachrichten nun an deren Follower weiterleiten. “Spread the world!”
Wenn Sie sich als Führungskraft nun irgendwo bewerben und er neue Arbeitgeber mal Google benutzt und tiefgründig schaut, findet er das. Die Chancen für Ihre eigene Bewerbung – auch nach Monaten oder Jahren – sinken extrem, nur weil Sie mal drei Termine mit einem Mitarbeiter verschoben haben. Möglicherweise ist der Mitarbeiter schon gar nicht mehr im Unternehmen tätig. Eine späte Rache, früh angesetzt. Mal ganz abgesehen von dem angesprochenen Sicherheitsrisiko, falls die Tweets so lauten:
“#Ihre Firma plant Ausbau der Produktion. Leider in #Asien. Arbeitsplätze in #Deutschland in Gefahr?”
“#Ihre Firma entwickelt besseres #Produktname. Start schon im Sommer 2010.”
Was ist nun, wenn diese Tweets auf englisch geschrieben werden? Twitter ist amerikanisch und die Nutzer in englischer Sprache sind deutlich in der Überzahl. Sie ahnen es, oder?
Da sich das SocialWeb immer weiter durchsetzt und etablieren wird, wir dürfen davon ausgehen, dass Facebook als Marktführer noch in 20 Jahren das Non-Plus-Ultra sein wird, laufen Sie hier ständig Gefahr, in Mediale Messer zu laufen.
Oftmals ist es auch so, dass Sie erst merken, dass Sie gestochen wurden, wenn Sie eigentlich schon tot sind.
Viele Mitarbeiter haben eventuell auch private Weblogs. Bei WordPress.com und vielen anderen Anbietern gibt es die sogar kostenlos. Viele Möglichkeiten für Publikationen. Und Sie können gegen private Publikationen rein gar nichts tun, solange das Recht nicht gebrochen wird! Also kann der Mitarbeiter fast ausschließlich denken und schreiben was er will.
Unser Tipp:
- Beschäftigen Sie sich mit dem SocialNetwork und legen Sie ggf. Accounts an. Oder sorgen Sie für eine explizite Kontrolle der Webinhalte, wenn Sie die Nutzung vom Arbeitsplatz nicht einschränken können. Man kann URL’s aus Suchlisten auch löschen lassen. Der Aufwand ist zwar hoch, doch der mögliche Schaden ggf. noch viel größer.
- Sensibilisieren Sie Ihre Mitarbeiter über die Wichtigkeit des medialen Images für das Unternehmen.
- Animieren Sie eher zu positiven Äußerungen oder erstellen Sie dafür gleich ein Regelwerk als Anhang für den Arbeitsvertrag. Viele Unternehmen machen das bereits.
- Gehen sie offensiv vor und lassen Sie sich Medienpublikationen im SocialWeb erstellen und professionell betreuen. Ein angestellter “Medienbeauftragter” kostet ca. 2000 bis 3000 Euro bei Vollzeitanstellung. Ein Fehler kostet gegebenenfalls einen Millionenauftrag, Arbeitsplätze, Fördergelder und Ihr Image.
Machen Sie nicht jeden Trend mit. Aber erkennen Sie die wichtigsten Tendenzen im Web.
So schützen Sie sich und Ihr Unternehmen vor negativer Presse.
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