Weitsichtigkeit
Geschrieben am: 7. September 2010 in Arbeitsmarkt, In eigener Sache
Schlagworte dieses Artikels: Atompolitik, Lobby, Nachrichten, Politik, Weitsichtigkeit, Wirtschaft
Eine mangelnde Weitsichtigkeit kann man unserer Bundeschefin eigentlich nicht vorwerfen. Weitsichtigkeit, die manch anderer Chef und Unternehmer oft vermissen lässt. Wenn alles so klappt, wie sie sich das so denkt, werden ihre Taten auch noch weit in der Zukunft Entscheidungen der Menschen in Deutschland in vielen Bereichen beeinflussen.
Weitsicht für Wirtschaft und Menschen
Können Sie eigentlich die Tragweite mancher Entscheidungen im Unternehmen aus dem Blickwinkel der Weitsichtigkeit und Zukunftsgestaltung verstehen und nachvollziehen. Wohl nicht. Nur allzu oft werden Entscheidungen getroffen, deren Konsequenz nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für viele Mitarbeiter sehr einschneidend werden können. Oft nicht sofort. Meistens treten diese Konsequenzen erst viel später auf und dann wird panisch zurückgerudert, durch die geänderte Situation und andere äußere Einflüsse wie Politik, Wirtschaftslage oder sogar Wetter krampfhaft versucht, den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen oder das Boot wieder auszuloten.
Weitsichtigkeit in den Entscheidungen ist eine menschliche Eigenschaft, die sich eng an die Auffassungsgabe anpasst. Ob Frau Merkel so eine gute Auffassungsgabe hat? Sicher, sonst wäre sie wohl kaum Diplomphysikerin geworden. Doch wirtschaftlich ist eine Bundeskanzlerin (oder alternativ auch ein Kanzler) mehr von externen Beratern, Parteien und leider auch von Lobbys abhängig. Bei denen scheint man allerdings an der Auffassungsgabe und an der daraus resultierenden Weitsichtigkeit zweifeln zu dürfen. Und so kommt es, dass Entscheidungen, die vermeintlich von Frau Merkel herbeigeführt wurden, auch noch lange die Zukunft der Menschen in Deutschland beeinflussen werden. Und das sogar noch lange – nach ihrer so gut wie sicheren – Abwahl bei der nächsten Bundestagswahl. Natürlich reden wir hier von der Atompolitik.
Der Ausstieg war schon längst beschlossen und Kernenergie ist bei über 60% der Bevölkerung durch gewachsenes Umweltbewusstsein nicht gerade sehr beliebt. Nicht zulezt die Katastrophe von Tschernobyl, ständige Störfälle in Schweden und vermehrt auftretende Störungen in deutschen AKW’s machen Atomstrom nicht beliebter. Die neue Initiative der Regierung, die Laufzeiten der AKW’s zu verlängern zeugt von einer Lobbypolitik, welche weltweit ihresgleichen sucht. Wir sind so umweltfreundlich, bestrafen alle katlosen Autos mit Strafsteuer, wracken schon 9jährige Autos in gutem Zustand ab und senken in einem extrem hohen Maße unseren Treibhausausstoß. Alles für die Umwelt. Doch den gefährlichsten Produktionsweg für Strom, den nehmen wir noch die nächsten Jahre in Kauf. Ein Weg, der keine Fehler verzeiht. Ein Weg, der keine technischen Pannen verzeiht. Ein Weg, der den Strom nicht wirklich günstiger macht. Ein Weg, der aber Energiekonzernen und dem Bund Milliarden in die Kasse spült. No Risk, no Fun?
Natürlich werden einige jetzt Behaupten, im Prinzip sei Atomstrom sicher, schaffe Arbeitsplätze und Energie wäre in der Gewinnung niemals so günstig wie in einem AKW. Doch ich wäre mir da nicht so sicher und glaube eigentlich daran, dass der Ingenieur am Überwachungsschaltpult in Hanau oder anderswo auch ein Schaltpult eines Wasser- / Wind- oder Solarkraftwerkes überwachen könnte. Auch ein Arbeitsplatz und dazu noch ein Sicherer dazu. Wir sind, und auch das ist unbestritten, bisher noch technologieträger in Sachen Wind-/ und Solarenergie. Irgendwie ist Deutschland auch ein Motor bei der Entwicklung innovativer und vor allem regenerativer Energien. Doch dieser Motor könnte ganz schnell in’s Stottern geraten, wenn die Bundesregierung die aktuelle Laufzeitverlängerung wirklich für die nächsten 10 bis 12 Jahre durchbekommt. Ganz zu schweigen von der Glaubwürdigkeit der Regierung werden hier auch genau die Unternehmen der Energiewirtschaft leiden, mit denen wir uns doch eigentlich brüsten. “Warum denn Windanlagen in die Nordsee stellen und den leeren Blick zum Horizont verbauen? Atomstrom kann doch so schön sein, und welche Farbe er hat, ist uns doch egal.” oder “Warum alternative Energieforschung betreiben, wenn der Strom doch noch für Jahre aus dem AKW kommt?” “Wozu sollte man sich denn ein Hybridauto anschaffen, welches sich – dank der aktuellen Atom- und damit auch Umweltpolitik-doch nur als Tropfen auf den Heißen Stein erweist? Dann vielleicht doch den V8 kaufen. Dann käme wenigstens der Spaß nicht zu kurz.”
Weitsichtig, wie unsere Regierungsoberen nunmal wieder zeigen, haben diese das Thema gleichzeitig zum “polarisierenden Tabu” gemacht. Wer Atompolitik im nächsten Wahlgang anspricht, wird a) ein ganz heißes Eisen anfassen müssen b) sich nicht nur Freunde machen und c) im Falle des Gewinns auf extremen Widerstand aus der Atomlobby einstellen müssen. Wer will das schon.
Diese Weitsichtigkeit sorgt gleichermaßen dafür, dass mögliche Investitionen im Sektor der erneuerbaren Energien nicht oder nur sparsam kommen, Innovationen damit gar nicht erst entstehen, gleichermaßen dieser Sektor nicht von einem Wirtschaftsboom wie in den vergangenen Jahren profitieren kann, sondern auch Arbeitsplätze nicht mehr entstehen können. Investoren und natürlich auch Verbraucher werden sich sagen: “Lassen wir das ersteinmal wirklich effizient durchentwickeln.” – Irgendwann kommen dann die Asiaten und sagen: “Feltig!” Wir werden dann überrannt und die Lorbeeren für die vielgepriesene und bis jetzt sehr stark geförderte Alternativenergie bekommen andere. Das kostet uns Arbeitsplätze und unter Umständen den Technologievorsprung, den wir jetzt bereits besitzen. Ganz abgesehen davon, dass in den nächsten 12 bis 14 Jahren in keinem AKW ein extremer Störfall eintreten darf. In dem Falle hätten wir alle verloren.
Ehrlich gesagt habe ich nichts gegen Atomstrom. 5 AKW’s irgendwo in der Sahara – Im Umkreis von mehren tausend Kilometern nichts als Sand und die üblichen Schutzsysteme drumherum. Warum nicht? Dann ist Atomstrom vielleicht noch für die nächsten 50 Jahre eine Alternative. Aber nicht, wenn Menschen in Sichtweite eines Meilers wohnen müssen. Dagegen habe ich persönlich dann doch was. Manchmal habe ich, gerade bei Reportagen über alte Kulturen in Ägypten und Mexiko, sowieso das Gefühl, dass diese Erde nicht zum ersten mal bevölkert wird.
Öko-Energie hat, genau wie Öko-Essen oder Öko-Kleidung, in den vergangenen Jahren sehr stark an Akzeptanz bei den Menschen gewonnen. Diese Akzeptanz und die Mitwirkung der Menschen, und sei es durch den Kauf der Öko-Produkte und Umwelttechnik, könnte jetzt sehr schnell verspielt werden und damit diesen Wirtschaftszweig nachhaltig schaden zufügen.
Schlaue Köpfe haben mit Weitsicht erkannt, dass die Ressourcen der Welt einfacher und verwertbarer gemacht werden können, dass Ressourcen nicht ewig halten und wir zu stark den Planeten ausgebeutet haben. Innovative Menschen haben Wege gefunden, Wind, Wasser und Sonne und organische Stoffe – übrigens alles gratis derzeitig auf der Erde –
so zu verwenden, dass ein Nutzen für alle entsteht. Gleichzeitig wurden viele Arbeitsplätze in der Forschung, Entwicklung und Planung bzw. auch den Montagediensten geschaffen, die die Technik, die das möglich macht, auch herstellen.
Es sollte so bleiben und noch viel mehr ausgebaut werden. Statt Abwrackprämie wäre ja mal eine Aufbauprämie für Solaranlagen auf geeigneten Dächern ein innovativer Weg. Oder vielleicht eine höhere Prämie für Erdwärmeheizungen oder, oder, oder.
Sich jetzt noch mehr über alternative Energien freuend
Die Redaktion
//O.F.
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