Wirtschafts-ABC – R wie Rezession
Geschrieben am: 24. Oktober 2008 in Jobpraxis
Schlagworte dieses Artikels: Wirtschafts-ABC
Viele Begriffe rauschen durch die Medien und werden uns ohne jegliche Erklärung förmlich um die Ohren geschlagen. Viele wissen aber nicht oder nicht auf Anhieb, was diese Begriffe eigendlich bedeuten. Dies wollen wir mit unserem kleinen Arbeits-ABC etwas ändern und hier einige, der gebräuchlichsten Vokabeln der Wirtschaft erklären. In diesem Artikel: R wie Rezession
Wirtschafts-ABC – Lexikon für Fachbegriffe
R wie Rezession
Spätestens, wenn an den Börsen die Kurse wieder länger als drei Tage in Folge fallen, sprechen Medien von Rezession. Ist dies aber berechtigt? Handelt es sich dabei wirklich um eine Rezession oder ist es nur eine Flaute oder ein Abschwung? Was ist eine Rezession?
Eine Rezession lässt sich auf verschiedene Weisen definieren. Die gebräuchlichste Definition und die Auskürzung aller Faktoren dahin bringt es auf eine einfache Formel. Sobald das Bruttoinlandsprodukt (also der kompletten Wirtschaftsleistung eines Landes)in zwei oder mehr aufeinanderfolgenden Quartalen schrumpft und damit ein (Negativwachstum) entsteht, kann man von einer Rezession sprechen. Eine Rezession ist der direkte negative Gegenspieler zum normalen bzw. steigenden Konjunkturverlauf.
Wer bestimmt, ob man in einer Rezession ist? Es sind, nach obiger Definition Wirtschaftsexperten, die die Ergebnisse der mindestens letzten zwei Quartale vorliegen haben müssen. Es kann auch nicht von Rezession gesprochen werden, wenn es nur Teilbereiche der Wirtschaft betrifft und diese evtl. den Rückgang anderer Branchen auffallen können. Der Staat meldet diesen Prozess also in der Regel als letzter und wenn meist alles zu spät ist, da diese schon in vielen Fällen in Gang ist und die Unternehmen das schon längst bemerkt haben. Erst wenn der Staat oder autorisierte Institutionen sagen: “Wir sind in einer Rezession.” sind wir auch in einer. Also erst wenn der Staat in Vertretung durch den Finanzminister oder Wirtschaftsminister von einer Rezession spricht und dies vorher oder hinterher von sogenannten Wirtschaftsweisen bestätigt wird, sind wir in einer Rezession.
Vorher sollte man vielleicht lieber nur von “drohender Rezession” oder Konjunkturflaute sprechen, denn in einer Rezession müssen Industrieproduktion, Absatz und Beschäftigung einige Monate in Folge „substanziell” sinken. Nur dies führt zur nachhaltigen Schwächung des BIP.\r\n\r\nEin Unternehmen kann sich daher nur in einer “rezessiven Phase” oder einer “Stagnation” befinden und ebenso gilt das auch für einzelne Branchenbereiche. Eine Rezession kann man eben nicht an mangelnder Investitionslust oder Auftrags- oder Umsatzrückgängen festlegen.
Wie entsteht eine Rezession? Die Rezession eines Landes kann von innen kommen oder von außen. Die globale Verflechtung der Wirtschaft wird letzteres allerdings eher eintreffen lassen. Von innen ausgelöste Rezessionen können primär nur durch extreme Steuererhöhungen und der daraus resultierenden extremen Verschlechterung der Kaufkraft in allen Bereichen entstehen. Dies ist eher selten. Die Globalisierung sorgt da eher für Rezessionsgefahr. Das Wegbrechen von Absatzmärkten oder die Verringerung des Finanzflusses sind da eher die Faktoren, die dann nicht nur für Umsatzschwierigkeiten in vielen Bereichen sorgen und Arbeitsplätze in Gefahr bringen. Ein aktuelles Beispiel wäre hier die Finanzkrise in den USA, die auch in Deutschland tausende Arbeitsplätze kosten kann.
Einer Rezession entgegenwirken. Einer Rezession kann man erfolgreich entgegenwirken. Das aktuell aufgelegte Banken-Care-Päckchen ist nur eine Möglichkeit, den Geldfluss anzutreiben und somit auch das Spiel an den Börsen wieder ins Rollen zu bringen. Ob es was nützt, wird der Markt zeigen. Allerdings spielen da viele Faktoren eine Rolle, die kaum überschaubar sind. Die Suche nach neuen Märkten ist ebenso eine Variante. Wenn sich ein Unternehmen in einer Stagnation oder sogar in einer Flaute befindet, kann es durch die Schaffung neuer Absatzmärkte möglich sein, dieser Phase effizient und kurzfristig entgegenzuwirken um später gestärkt auf die sich zwischenzeitlich erholenden Märkte zurückzukehren. Stagnation und Flauten haben meist auch Preissenkungen zur Folge. Diese wiederum animieren Verbraucher und so steigt auch hier wieder das BIP und wirkt so positiv einem Rezessionstrend entgegen.
Was kommt nach einer Rezession? Es ist eine alte Bauernweisheit. Nach Regen folgt Sonnenschein und aus dem tiefsten Tal geht es nur aufwärts. Auch die längste Flaute wird mit einem Wind oder sogar Sturm als beendet erklärt. Also erholt sich die Wirtschaft in einer Rezession und ordnet sich neu. Dies ist abhängig von der Kompetenz der Führungskräfte und dem Willen und der Motivation aller Mitarbeiter eines Unternehmens. Mit Optimismus, Optimierungsideen, Durchhaltevermögen und oft verbunden mit Einsparungen in vielen Bereichen kann ein Unternehmen das betriebliche Kapital über eine Rezession hinaus retten und sich neu sortieren. Arbeitsplätze werden wieder geschaffen und ein neuerlicher Aufschwung wird folgen.
Was bedeutet die aktuelle Wirtschaftssituation für Deutschland? Die Deutsche Wirtschaft ist noch bemerkenswert stabil. Von einer Rezession kann noch nicht gesprochen werden. Erst im September sanken die Arbeitslosenzahlen auf den tiefsten Stand seit Jahren. Auch sind die Aktienwerte in Deutschland nicht überbewertet und können daher auch viel negatives aus den USA auffangen und abfedern. Wir sind noch nicht in einer Rezession. Reden wir lieber von einem vorläufigem Ende des 2006 begonnenen Aufschwungs und arbeiten positiv und innovativ weite und stärken unser Bruttoinlandsprodukt (BIP). Panikmache ist ein Hobby von Medien und fehl am Platze, auch wenn mal der eine oder andere Konzern 5 oder 8 % seines Aktienwertes an einem Tag verliert.
Wir werden die nächsten zwei Quartale und die Präsentation der Ergebnisse abwarten müssen um genau sagen zu können, Ja Rezession oder Nein Rezession.
Wir können dieses Thema an dieser Stelle nicht ausführlich behandeln, da es zu komplex wäre und mehrere Seiten füllen würde. Aber wir hoffen, etwas Licht ins Dunkel gebracht zu haben.
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