WM-Fieber
Geschrieben am: 10. Juni 2010 in Arbeitsmarkt, Jobpraxis
Schlagworte dieses Artikels: 2010, Arbeitszeit, Deutschland, Fußball, Motivation, Nationalelf, Spiele, Spielplan, Team, WM
Jetzt geht’s los. Jetzt geht’s los. (to be cont…) Das WM-Fieber steigt und einigen wohl bereits auch gehörig zu Kopf. Denken wir jedenfalls immer, wenn eine Vuvuzela (oder wie die Riesentröten sich auch nennen mögen) ertönt oder schon einmal vorsorglich am Balkon geflaggt wird. Jetzt empfiehlt sogar der Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt, dass WM-Spiele auch am Arbeitsplatz gesehen werden sollten. Dann kann es ja wirklich losgehen, oder?
WM steigert Motivation und Teamgeist in Unternehmen
Wie schon erwähnt. Das Fieber grassiert. Gut, nun nicht gerade bei uns. Sport ist hier im Team eher Nebensache und zu fußballbegeisterten Balljungen werden wir wahrscheinlich auch in diesem Jahr frühestens zum Halbfinale und das auch nur, wenn die Nationalelf es bis dahin schafft. Also betrachten wir das ganze auch eher nüchtern und aus entfernterer Sicht.
Keine Frage. Weltweite Großevents wie die Fußball-WM oder Olympiaden beflügeln ganze Nationen zu Nationalstolz, mehr Arbeitsleistungen um Überstunden zu schaffen und zu mehr Teamgeist. Das ist alles irgendwie total ansteckend und wird nicht ohne Grund als Virus bezeichnet. Und wenn der Arbeitgeberpräsident sogar seinen “Kollegen” empfiehlt, die WM-Spiele als PublicViewing in den Betrieben zu ermöglichen, kann ja eigentlich auch gar nichts schief gehen. „Ich bin zuversichtlich, dass die Arbeitgeber unter Berücksichtigung der betrieblichen Gegebenheiten flexibel reagieren und gemeinsam mit ihren Belegschaften individuelle Lösungen finden“, sagte Hundt der „Berliner Zeitung“ in der Ausgabe v. 10.06. . Jedes Unternehmen müsse aber entscheiden, „inwiefern es die Übertragung von WM-Spielen mit der Arbeitszeit im Betrieb in Einklang bringen kann.“ (Quelle: Focus) Sicher wird es auch viele Arbeitgeber geben, die dies ermöglichen werden. Einige Spiele fallen leider in die Kernarbeitszeiten und die Fußballfans haben das Nachsehen. Bei der Beschaffenheit der Erde ist das allerdings auch irgendwie zu erwarten gewesen. Entweder eine riesige Zeitverschiebung und der Nachtschlaf leidet, oder ohne Zeitverschiebung und dafür eben in der Arbeitszeit. Irgendwas ‘is ja immer.
Die WM ist, und diesmal nach etwas krisengeschüttelten Jahren umso mehr, Motivationsschub Nr. 1 in den nächsten Wochen. Die Teamfähigkeit und Arbeitsleistung wird sich fast magisch auch wieder an Bürotische und Werkbänke übertragen. Wird es ein ähnliches Sommermärchen wie 2006 oder fliegt die Mannschaft schon aus der Vorgruppe? Wird es vielleicht sogar DAS Sommermärchen? 54-74-90-2010? Die Sporties haben sich jetzt schon eine Nase an dem Song verdient. Klappts, sind sie auch vergoldet damit. Wie schon erwähnt. Keine Ahnung. Haben wir jetzt eine Mannschaft oder ein Team? Trainer Joachim Löv redet vom “Team Deutschland” und dies bedeutet ja eigentlich, dass auch er sich sicher ist, eine Mannschaft geformt zu haben, die das Wort “Team” verdient. Außerdem laufen die Reklamefeldzüge auf Hochtouren. 2010,-€ Rabatt rückwirkend beim Autohaus auf einen Neuwagen, wenn Deutschland Weltmeister wird, Fernsehgeräte mit 100% Rabatt bei einer Elektronik-Fachmarktkette, Schwarz-Rot-Gold auf fast jeder Wurstpackung und so gut wie überall Sammelbildchen, Armbänder, Gesichtstattos in Keksen und Kinderriegeln. Es wäre ja auch viel zu Schade, wenn die ganzen Maßnahmen schon in knapp 14 Tagen wieder vorbei wären.
Arbeitsrechtlich wird es allerdings auch zu dieser WM wieder zu unschönen Situationen kommen. “Freimachen wegen WM-Spiel der Nationalelf” ist nicht. Das kann die Kündigung zur Folge haben und auch wenn die Privatnutzung der Internetanbindung am Arbeitsplatz erlaubt (oder nicht eindeutig geregelt) ist, kann es hier eine Abmahnung hageln, wenn man Spiele auf diese Art live verfolgt. Besser ist hier Urlaub. Dies ist allerdings auch etwas kritisch, da ganze Geschäftsabläufe gestört werden könnten, wenn die halbe Belegschaft Urlaub haben will. Der Chef hat hier dann das Recht, Urlaub auch bei bestehendem Anspruch, zu verwehren, wenn betriebliche Abläufe durch den Ausfall oder in Ermangelung von Ersatzkräften gestört werden könnten. Auch die Vermutung einer möglichen und eventuellen Störung (Bsp: Getränkevertrieb – Es könnte extrem heiß werden, Produktionssteigerung, Lieferungen) reicht aus um den Urlaub zu verwehren.
Weniger störend ist da eher ein Radio im Büro oder in der Werkstatt, welches im Hintergrund ohne Belästigung von Kollegen oder Kunden dudelt. Noch besser ist aber, und das erkannte sogar DGB-Chef Sommer, die einrichtung von betrieblichen PublicViewing-Möglichkeiten. Für die Zeit der Spielübertragungen kann der Arbeitgeber aber in diesem Falle auch den Gegenwert von Überstunden einfordern, wenn dies auch im Arbeitsvertrag unter Sonderregelungen geschrieben wurde. So sind beide Seiten auf sicherem Terrain und dem kollektiven Sporterlebnis steht nichts mehr im Wege. Auf jeden Fall sollte vorher mit der Teamleitung oder dem Chef direkt eine betriebliche Vereinbarung getroffen werden, damit hinterher nicht irgendwer den Schaden hat.
Hier sind die Termine der Nationalelf:
So 13.06.2010 20:30 Deutschland - Australien
Fr. 18.06.2010 13:30 Deutschland – Serbien
Mi. 23.06.2010 20:30 Deutschland – Ghana
02.07.2010 16:00 Viertelfinale
20:30 Viertelfinale
03.07.2010 16:00 Viertelfinale
20:30 Viertelfinale
(eines könnte es sein, aber Fußball-Spielpläne und Ranglistentabellen sind nicht unser Ding.)
06.07.2010 – 20:30 Halbfinale Spiel 1
07.07.2010 – 20:30 Halbfinale Spiel 2
10.07.2010 – 20:30 Spiel um Platz 3
11.07.2010 – 20:30 Finale
In diesem Sinne
“Geht’s raus, spielt’s Fußball” oder wie Klinsmann immer sagte: “Hau’n wir sie weg, Jungs.”
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